Lehrer aus Indonesien: "Wir sind Engel" - DER SPIEGEL
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Lehrer aus Indonesien "Wir sind Engel"

Rusli Yunus, 71, arbeitet seit 52 Jahren als Lehrer. Früher unterrichtete er Erdkunde, heute ist er an der Uni in Jakarta und Vizepräsident der indonesischen Lehrergewerkschaft.
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"In Indonesien gibt die Regierung viel zu wenig Geld für die Bildung aus. Wir leben nicht in einer Demokratie, sondern in einer Diktatur und da schätzt man die Bildung nicht. Man interessiert sich einfach nicht für Bildung", sagt Rusli Yunus energisch. Deshalb sind 28.000 Lehrer in der vergangenen Woche in der Hauptstadt Jakarta auf die Straße gegangen. Ihr Ziel: Die Regierung soll 20 Prozent des Haushalts in die Bildung investieren. "Aber die Regierung handelt nicht, sie redet nur."

Viele Schulen im Land seien in einem sehr schlechten Zustand: "Sie wissen ja sicher, dass es bei uns immer wieder sehr schwere Erdbeben gibt – und darunter leiden auch die Schulen. Viele sind zerstört und nicht wieder aufgebaut worden. Außerdem sind sie nicht besonders gut ausgestattet. Bücher fehlen und die Eltern haben oft kein Geld für Stifte und die nötigen Unterlagen." Vom Schulgeld befreit sind Kinder nur bis zu ihrem 13. Lebensjahr.

Gewalt, meint Rusli Yunus, werde an Schulen zunehmend zu einem Problem. "Wir Lehrer stellen fest, dass die Schüler die Dinge, die sie im Fernsehen sehen, in der Schule ausprobieren." Es gebe immer mehr Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen.

In Indonesien sind Lehrer Millionäre: Sie verdienen im Monat zwischen einer und anderthalb Millionen Rupiah. Umgerechnet sind das rund 80 bis 120 Euro. "Was die Menschen in Indonesien über die Lehrer denken?" fragt Rusli Yunus und grinst vielsagend. "Sie denken, wir sind Engel. Keiner sonst würde für so wenig Geld so viel arbeiten."


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