Lehrerproteste in Mexiko überschatten Wahl - DER SPIEGEL
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Gewalt in Mexiko Radikale Lehrer wollen Wahl sabotieren

Sie plündern Büros, zünden Parteibüros an, verbrennen Stimmzettel: Kurz vor der Wahl in Mexiko eskaliert der Protest radikaler Lehrer. Sie wehren sich dagegen, dass ihre Arbeit regelmäßig überprüft werden soll.
Mexiko-Stadt: Lehrer versuchen, eine Absperrung am Innenministerium einzureißen
Mexiko-Stadt: Lehrer versuchen, eine Absperrung am Innenministerium einzureißen

Mexiko-Stadt: Lehrer versuchen, eine Absperrung am Innenministerium einzureißen

Foto: Mario Guzmán/ dpa
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Mexiko wählt, doch die Lehrer des Landes gehen auf die Barrikaden, wollen die Wahl torpedieren: Im Süden des Landes haben streikende Lehrer mehrere regionale Parteizentralen angegriffen und sich Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. In der Provinzhauptstadt Tuxtla Gutiérrez im Bundesstaat Chiapas plünderten sie die Büros der Regierungspartei PRI, der linken PRD und der Grünen und steckten Möbel und Dokumente in Brand. In Guerrero kam es am Freitag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei.

Die Regierung schickte Soldaten und Polizisten in den Süden des Landes, um die Durchführung der Wahlen am Sonntag sicherzustellen. "Wir wollen, dass alle Mexikaner in Ruhe an die Urnen gehen können", sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong.

Im Süden Mexikos blockieren Lehrer seit Tagen zudem eine Verteilstation von Benzin und haben die Provinzhauptstadt Oaxaca von der Treibstoffversorgung abgeschnitten. "Hier gibt es keinen Tropfen Benzin mehr", sagte der Vizepräsident der Tankstellenbetreiber, Marco Bellasina, am Freitag im Radiosender Fórmula. Militante Lehrer verwüsteten auch Büros der Wahlkommission, wobei sie zahlreiche Stimmzettel verbrannten.

An diesem Sonntag werden 500 Abgeordneten auf Bundesebene, neun Gouverneure und knapp 900 Bürgermeister in 16 Bundesstaaten gewählt. Die Wahl gilt als Stimmungstest zur Mitte der Amtszeit von Präsident Enrique Peña Nieto von der Arbeiterpartei.

Aus Protest gegen eine Bildungsreform und aus Unzufriedenheit mit der Regierung rief die mächtige Lehrergewerkschaft CNTE zum Wahlboykott auf. Die Reform sieht verpflichtende Prüfungen für Lehrer vor. Die Regierung setzte diese besonders umstrittene Bestimmung vergangene Woche zwar aus, doch dauern die Proteste an.

Die streikenden Lehrer fordern zudem Aufklärung über das Schicksal von 43 Studenten, die im vergangenen Jahr von der Polizei verschleppt und vermutlich von Bandenmitgliedern getötet worden waren.

Laut einen Bericht der Zeitung "El Universal" vom Samstag bereiteten die Kommilitonen der Verschleppten auf dem Gelände des linken Lehrerseminars Ayotzinapa in Guerrero mit gestohlenem Benzin Brandsätze für weitere Proteste vor. "Unser Nein zu den Wahlen ist endgültig", sagte der Sprecher der Opferfamilien, Felipe de la Cruz.

Rund 83 Millionen Mexikaner sind wahlberechtigt. Umfragen zufolge dürfte die Regierungspartei von Peña Nieto ihre Mehrheit im Kongress behalten - trotz einer Reihe von Skandalen und der Unzufriedenheit über die anhaltenden Unsicherheit im Land. Ihr droht aber ein Debakel im Bundesstaat Nuevo León, wo der unabhängige Kandidat Jaime Rodríguez, genannt El Bronco, mit seiner deftigen Sprache und seinem Versprechen, die Korruption zu bekämpfen, Sympathien gewonnen hat. Vor allem aber drohen bei der Abstimmung am Sonntag erneut Ausschreitungen.

bkr/dpa/AFP