Lerntipps Ich! Merk! Mir! Das!
Für Schüler der Klassen 12 und 13 zählt in diesen Tagen nur eins: der Lern-Endspurt vor der großen Freiheit nach dem Abitur. Auf den letzten Metern wird so viel gepaukt wie noch nie in der Schullaufbahn. Da gibt es Schüler wie Melanie, die am liebsten Bio-Schemata in der Bibliothek singt. Christina rechnet schon vor dem Frühstück, Tobias setzt auf Fleißarbeit, und Kim-Maya braucht Nervennahrung aus dem Bioladen.
Hunderttausende Jugendliche werden in diesen Wochen zu den Abi-Prüfungen gebeten, in Hamburg büffelt ein Doppeljahrgang, insgesamt sollen es mehr als 440.000 Absolventen mit Fach- und Hochschulreife in diesem Jahr werden, rechnen die Länder.
Dafür muss gelernt werden, klar. Doch wie bleibt der Stoff am effektivsten hängen? Was tun, wenn die Details zum Zellstoffwechsel auch drei Tage vor der Klausur noch nicht sitzen? Muss man sich auf das Thema Texterörterung im Leistungskurs Französisch auch vorbereiten? Und wie machen das eigentlich die anderen?
Schüler verraten im SchulSPIEGEL, wie sie ihre Gehirnzellen auf Hochtouren halten:
Melanie, 19: Ich rappe den Zitronensäurezyklus
Abiturientin Melanie Ort aus Lörrach: Abfragespiel mit der besten Freundin
Ich mache gerade Abitur mit Deutsch und Biologie als Leistungskursen. Besonders für Bio muss man viel auswendig lernen. Deshalb habe ich mir überall Formeln und Diagramme im Zimmer aufgehängt. Auch wenn ich auf der Toilette sitze, kann ich den Zitronensäurezyklus an der Tür bestaunen. Komplizierte Schemata oder Abläufe klappen am besten, wenn ich sie singe oder rappe. In einer Bibliothek kann ich übrigens besser lernen als zu Hause, die Umgebung fördert Konzentration und Disziplin.
Mit meiner besten Freundin habe ich unser Bio-Spiel entwickelt: Wir notierten auf Karteikarten, was man so abfragen kann - etwa den Aufbau von Proteinen, Vervielfältigung der DNA, Krankheiten. Abwechselnd ziehen wir die Karten aus einer Box und lassen sie von der Partnerin erklären. So lernt man selbst und kann andere korrigieren. Die Technik ist auch super für Freistunden und Pausen.
Und: Nie aufhören zu fragen. Man sollte sich nicht scheuen, auch die peinlichste Frage zu stellen.
Christina, 18: Schüttelbrot und Schokolade
Abiturientin Christina Kufer aus Mühldorf am Inn: Lernplan mit Belohnungen
Bei mir geht es bald los mit der Mathe-Grundkursklausur. Dafür lautet meine Devise: Rechnen, rechnen, rechnen. Da können schon mal 100 Aufgaben an einem Wochenende zusammenkommen. Aber ich rechne sie nicht zusammenhängend an einem Stück. Eine Aufgabe vor dem Frühstück, eine nach dem Zähneputzen, eine nach den Vokabeln. Wenn das Wetter schön ist, gehe ich auch raus, mit Sonnenbrille und Chips bewaffnet versuche ich dann in schöner Atmosphäre auf dem Balkon zu lernen - und döse dabei hin und wieder weg.
Für meinen Leistungskurs Latein fasse ich sämtliche Arbeitsblätter am Computer zusammen, um die dann auswendig zu lernen, da werden wohl so 80 Seiten in Schriftgröße 12 anfallen. Aber Latein ist erst nach Pfingsten dran.
Französisch, mein zweiter Leistungskurs, ist eigentlich ganz angenehm, weil man dafür eigentlich nicht wirklich viel lernen kann. Andererseits beschleicht mich oft das schlechte Gewissen, weil ich mich unvorbereitet fühle. Für letztes Wochenende habe ich mir dann einen Lernplan gemacht, darin stand 40 Seiten Vokabeln reinpauken. Zur Belohnung gab's Kuchen. Ich muss sowieso immer etwas essen beim Lernen. Von Südtiroler Schüttelbrot über Äpfel bis zu Schokolade. Meine Ostervorräte habe ich dieses Jahr viel schneller als üblich verschlungen. Hoffentlich finde ich da noch ein Kleid für den Abiball.
Wenn alles vorbei ist, werde ich an einen See fahren und baden - vormittags natürlich, wenn die anderen in der Schule lernen müssen. Und ich fahre mit meinen Freunden nach Berlin, um mal richtig zu feiern.
Tobias, 17: Abschreiben ist besser als Abfragen
Schüler Tobias Schmidt aus Heiden: Wochenlang Vokabeln abgeschrieben
In Latein hatte eine Zeit lang ich Probleme mit den Vokabeln, die manchmal wirklich schwierig zu lernen waren. Das Ablesen und Abfragen der Vokabeln bescherte mir einfach keine Erfolge in den Vokabeltests. Dann entdeckte ich aber, dass sich die Vokabeln bei mir viel leichter einprägen, wenn ich sie viele Male stumpf und über Wochen hinweg abschreibe. Wieder und wieder. Der Effekt war beeindruckend, danach hatte ich nur noch Einsen und Zweien in Latein-Vokabeltesten.
Das System hört sich simpel an, bringt aber total viel. Man opfert einfach täglich ein paar Minuten, schreibt die Vokabeln einmal ab und ist super vorbereitet, gerade auch auf unangekündigte Tests. Wenn es darum geht, sich Formeln und Abläufe zu merken, versuche ich, gleich im Unterricht aktiv zu sein und nicht erst zu Hause kurz vor der Klausur. Damit kann man sich viel Lernerei ersparen.
Ich hoffe, mit meinen Leistungskursen Deutsch und Biologie ein möglichst gutes Abi zu machen. Ich finde Naturwissenschaften genauso spannend wie Sprachen. Mein Traum ist es, nach dem Prüfungsstress nächstes Jahr nach New York zu fliegen.
Ildiko, 19: Pausen und viel Schlaf sind wichtig
Abiturientin Ildiko Mannsperger aus Nürtingen: "Immer Nerven behalten"
Ich habe meine Abi-Klausuren gerade hinter mir. Beim Lernen habe ich vor allem immer viel Tee und Wasser getrunken. Zum Beispiel einen speziellen Tee, der die Gehirnfunktion anregt, den "Klarer Geist Tee". Damit habe ich mich ziemlich fit gefühlt. Auch, weil ich zwischendurch immer an der frischen Luft joggen gegangen bin oder wenigstens Spaziergänge gemacht habe.
Überhaupt finde ich Pausen mindestens so wichtig wie das Pauken selbst - um sich etwas zu gönnen und sich zu entspannen. Viel Schlafen hilft mir übrigens auch, denn nur wenn man genug schläft, hat das Gehirn die Möglichkeit, Gelerntes zu vernetzen.
Natürlich habe ich auch einen Lernplan gebraucht, damit ich die Übersicht hatte, was ich noch lernen muss und vor allen Dingen: wann. Mit meinem Problemfach Mathe habe ich zum Beispiel schon sehr früh angefangen. Man sollte aber immer die Nerven behalten. Das Abi ist zwar wichtig, aber verglichen mit dem ganzen Leben nur ein kleiner Teil.
Nach der letzten Klausur bin ich mit meiner Familie essen gegangen, abends habe ich mit Freunden gegrillt und ein bisschen gefeiert. Jetzt freue ich mich auf einen entspannten Sommer und ab Herbst auf mein Studium der Medienwissenschaften und Anglistik in Tübingen.
Rick, 17: Die beste Phase ist kurz vor dem Einschlafen
Schüler Rick Noack aus Dresden: Lieber mit Freunden im Café
Ich lerne zwar gerade nicht fürs Abitur, das ist erst im nächsten Jahr bei mir dran. Doch wenn ich mich jetzt auf Klausuren vorbereite, klappt das am besten, wenn ich in einem Café sitze und mit Freunden alles durchspreche. Das macht einfach mehr Spaß, da kann man zwischendurch auch mal über etwas anderes reden. Dauert zwar länger, aber so kann man auch in Lernphasen noch seine Freunde treffen. Außerdem helfen wir uns gegenseitig mit dem, was wir im Unterricht verstanden haben.
Nach unseren Treffen fahre ich nach Hause und wiederhole den Stoff bis in die Nacht. Kurz vor dem Einschlafen zu lernen, klappt bei mir am besten. Vokabeln lerne ich, bis mir die Augen zufallen. Morgens in der Straßenbahn oder im Bus brauche ich dann nur noch eine kurze Wiederholung. Dann sitzt eigentlich alles.