Mein erstes Mal Mathis, 18, fährt in Pärchenurlaub
"Vielleicht war es falsch, in einer Feriensiedlung zu wohnen. Die wurde vor ein paar Jahren einfach aus dem Boden gestampft, und ringsherum gab es nichts anderes als Ferienhäuser. Da konnte man sich mit wenig ablenken, und für Tagesausflüge hatten wir nicht genug Geld.
Am ersten Tag fuhren wir in den nächsten Supermarkt und gaben versehentlich die Hälfte unseres Geldes für Grillgut aus. Wir hatten uns mit den Kronen einfach verrechnet und waren danach für den Rest des Urlaubs fast pleite. Danach aßen wir nur noch Nudeln und Reis. Das hat die Stimmung bei einigen etwas gedämpft.
Wir wohnten auf Alsen, einer dänischen Halbinsel. Dort hatten wir uns ein Häuschen gemietet: hundert Quadratmeter mit vier Schlafzimmern, von Hannover aus in viereinhalb Stunden zu erreichen. Wir hatten uns die beste Kategorie der Ferienhäuser geleistet. Es gab einen Fernseher mit Couch davor, große Fenster mit hübschen Jalousien, der Strand war zu Fuß zehn Minuten entfernt. An dem Haus war wirklich nichts auszusetzen.
Vorher war ich mit meinen Freunden vielleicht mal Kanu fahren, aber wir hatten uns noch nie selbst einen Urlaub organisiert und dafür Geld ausgegeben. Nun waren wir drei Paare und vier Singles, im Gepäck eine Playstation, eine Stereoanlage und jede Menge Schnaps. Beste Voraussetzungen eigentlich.
Auch die anderen Paare kriegten sich in die Haare. Ein Kumpel, der aus Norwegen angereist kam, hatte seiner Freundin nicht Bescheid gesagt, dass er in einem Stau steckte und erst am Abend ankommen würde statt früh am Morgen. Daraufhin war sie erst einmal beleidigt.
Bei uns lag es wohl daran, dass Miri und ich uns zum ersten Mal eine Woche lang ununterbrochen nah waren. Vorher sahen wir uns mal in der Schule oder trafen uns am Nachmittag. Jetzt hingen wir uns rund um die Uhr auf der Pelle. Und spätestens am zweiten oder dritten Tag fingen wir an, uns auf die Nerven zu gehen. Das ging den anderen Paaren ähnlich. Die haben das allerdings wieder hingebogen.
Da wurde schon morgens beim Frühstück gestichelt, und abends schrie man sich an. Andere gingen sich vollständig aus dem Weg - jeder nach seinem Temperament. Wir lagen schmollend in unseren Bettenhälften, und manche von uns hielten es nicht mal aus, alle sieben Nächte in einem Zimmer zu schlafen und zogen Türen knallend um. Saßen wir auf dem Sofa, kuschelte sich Miri beinahe an jemand anderen, um Abstand von mir zu haben. War das Wetter schlecht, zockten wir auf der Playstation "Tekken". Schien die Sonne, spielten die Jungs Fußball und die Mädchen lagen am Strand.
Eigentlich hat der Urlaub uns die Sache erleichtert. Es war offensichtlich, wie schlecht es zwischen uns läuft. Das war uns nach der einen Woche so klar, dass wir uns im Einvernehmen getrennt haben und jetzt Freunde sind. Ich finde, jedes Paar sollte nach ein paar Monaten einmal zusammen in Urlaub fahren, um sich zu testen. Auch wenn wir den anderen ein bisschen den Urlaub vermiest haben mit unserem Gehabe.
Offiziell waren musikalische Vorlieben der Grund, warum wir getrennt voneinander nach Hause fuhren: In einem Auto hörten die Jungs Metal und Deichkind, in dem anderen die Mädchen ihre Musik. Im Auto haben wir uns gefragt, ob das Ganze nicht viel einfacher gewesen wäre, wenn wir Jungs allein in Urlaub gefahren wären. Einer von uns kann sogar kochen."