Misshandlungen: Schwedisches Elite-Internat öffnet bereits wieder - DER SPIEGEL
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Nach Misshandlungsvorwürfen Schwedisches Elite-Internat wieder geöffnet

Demütigungen, Misshandlungen, Erniedrigungen: Jahrelang sollen sich Schüler des schwedischen Elite-Internats Lundsberg gegenseitig gequält haben, die Behörden schlossen die Schule deshalb vor zwei Wochen. Jetzt darf der Unterricht überraschend schon wieder losgehen.
Lundsberg-Internat: Schüler sollen sich mit Bügeleisen misshandelt haben
Lundsberg-Internat: Schüler sollen sich mit Bügeleisen misshandelt haben

Lundsberg-Internat: Schüler sollen sich mit Bügeleisen misshandelt haben

Foto: Fredrik Sandberg/ AP
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Eigentlich sollte die Schule sechs Monate lang geschlossen bleiben, mindestens. Vielleicht sogar für immer. Jetzt darf das schwedische Elite-Internat doch schon wieder öffnen, nicht einmal zwei Wochen, nachdem heftige Mobbing- und Misshandlungsfälle zur Schließung geführt hatten.

Das Verwaltungsgericht in Stockholm hob das Verbot der Schulaufsicht am Freitag bis zu einer endgültigen Entscheidung auf. Ausschlaggebend ist ein juristisches Detail: Es sei unklar, ob die Schulaufsicht für das Internat mit seiner Reichsinternatsschule überhaupt zuständig sei, teilte das Gericht mit. Das solle nun geprüft werden.

Der Unterricht darf somit erst einmal fortgesetzt werden. Von Montag an können die Schüler die Privatschule 300 Kilometer westlich der schwedischen Hauptstadt wieder besuchen, berichtete der Vorstand des Lundsberg-Internats.

Die teure Eliteschule mit stolzer Tradition, auf der auch der schwedische Prinz Carl Philip seinen Abschluss gemacht hatte, steht schon seit Jahren unter Beobachtung. Erst vergangene Woche hatte die schwedische Schulaufsichtsbehörde das Internat in Storfors schließen lassen. Seit Jahren sollen sich Schüler dort gegenseitig misshandeln und demütigen. Ein Bericht der Schulinspektion listet systematische Erniedrigungen, Beleidigungen und Misshandlungen bis hin zu schweren Körperverletzungen auf. Von einem "informellen Regelsystem" schreibt die Behörde in einem Bericht: "Es hat sich ein Phänomen normalisiert, das in der übrigen Gesellschaft als unakzeptabel angesehen wird."

In dem Bericht ist von "Sklaven" die Rede, die ältere Schüler sich halten. Sie müssen beispielsweise Hosen bügeln und Toiletten putzen. Manchmal wecken ältere Schüler die jüngeren mitten in der Nacht, um ihnen einen "freundschaftlichen Klaps" zu geben. Es gibt "Darm-Ringkämpfe", bis ein Schüler nicht mehr kann. Den Bericht schrieben die Inspektoren bereits im Jahr 2011. Seitdem hat sich offenbar nicht viel verändert.

Verbrannter Oberkörper zum Schuljahresbeginn

Zum Schuljahresstart sollen neun Schüler zwei Jungen misshandelt haben, mindestens einen von ihnen mit einem Bügeleisen. Mit einem verbrannten Oberkörper meldete sich einer der Jungen vor zwei Wochen auf der Krankenstation des Internats, die wiederum alarmierte die Polizei. Vier Tage später verkündete die Schulaufsichtsbehörde die Schließung. Die Schüler mussten vorübergehend andere Schulen besuchen.

Doch der Vorstand der Schule mit 170 Jungen und Mädchen setzte sich dagegen zur Wehr. Eltern zeigten sich mit dem Gerichtsbeschluss zufrieden: "Ich empfinde eine große Erleichterung", sagt der Vater eines 17-jährigen Sohnes "Svenska Dagbladet". Er sei froh, dass die Schule eine Chance bekomme, sich zu verteidigen und zu zeigen, dass sie sich verändert habe.

Vielleicht wird die Schulinspektion gegen den vorläufigen Beschluss des Verwaltungsgerichts vorgehen, berichtet unter anderem "Dagens Nyheter" in seiner Online-Ausgabe. Bis Dienstag will sie darüber entscheiden.

lgr/fln/dpa