Pisa II Finnisch ziemlich gut
Dass es für deutsche Schüler auch bei der zweiten Pisa-Studie nur zu einem Platz im unteren Mittelfeld reichte, war bereits durchgesickert: Unter 31 Nationen erreichten sie den 17. Rang in Mathematik und Platz 20 beim Leseverständnis - also kaum besser als bei Pisa 2000.
Offiziell werden die neuen Ergebnisse erst am 7. Dezember veröffentlicht, doch es gibt offenbar einige Lecks. So berichtete der "Stern" am Mittwoch vorab, dass Finnland bei Pisa II erneut alle anderen Länder abhänge, nannte aber keine Details zum Abschneiden in den drei Pisa-Disziplinen. Keine große Überraschung: Bereits nach der ersten Pisa-Studie waren deutsche Bildungsminister truppweise nach Skandinavien gepilgert, um sich neue Anregungen zu holen. Auf dem zweiten Platz liegt laut "Stern" Korea. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird dies allerdings von Experten bestritten.
Das wiederum schlechte deutsche Abschneiden erklären Kultusminister und Bildungsexperten damit, dass Schulreformen viel Zeit brauchen, um zu greifen. So haben die Kultusminister inzwischen Bildungsstandards für alle Bundesländer erarbeitet; die Bundesregierung pumpt vier Milliarden Euro in ein Ganztagsschulprogramm. Schule sei aber "ein großer, schwerer Dampfer und kein Schnellboot - alle Manöver sind auf lange Frist ausgelegt", sagte Michael Gomolzig vom Verband Bildung und Erziehung. Und die Kultusminister der Länder wie auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn sehen es ähnlich; binnen zwei, drei Jahren ließen sich die Ergebnisse nicht deutlich steigern.
Als Gegenbeispiel nennt der "Stern" Polen und beschreibt das in der Bildungspolitik bislang unauffällige Land als Überraschungs-Aufsteiger, der sich von den hinteren Rängen bis ins Mittelfeld vorgearbeitet habe und nun nahezu gleichauf mit Deutschland liege. Polen habe seit dem Jahr 2000 sein Schulsystem grundlegend reformiert, eine Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr sowie eine neue Mittelstufe eingeführt, in der alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden.
Bei der ersten Pisa-Untersuchung waren noch 15-Jährige aus dem alten Schulsystem getestet worden, nun machte Polen einen großen Sprung. "Unsere neuen Gymnasien haben vor allem eine Aufgabe: nicht Fakten pauken, sondern lernen, die Welt zu verstehen", sagte Stanislaw Drzazdzewski, Chefberater im polnischen Bildungsministerium.
Stiefkind Kindergarten
Auch für deutsche Kindergärten gibt es keine guten Noten. In einer neuen OECD-Studie wird nach einem Bericht der "Zeit" kritisiert, dass Erziehung und frühkindliche Bildung in den deutschen Einrichtungen einen zu geringen Stellenwert hätten. Die Ausbildung der Erzieherinnen sei unzureichend, auch hapere es an der Forschung. Es gebe in Deutschland mehr Professorenstellen für japanische Sprache als für frühkindliche Bildung. In diesem Bereich sei die Bundesrepublik vom internationalen Standard frühkindlicher Pädagogik weit entfernt, heißt es laut "Zeit" in der Untersuchung "Kindergarten-Pisa".
Die OECD-Experten hatten Kindergärten in mehreren Bundesländern besucht. Positiv vermerkten sie die Versorgung mit Krippen und Tagesstätten in Ostdeutschland sowie das Bemühen deutscher Kindergärten, Bildung, Erziehung und Betreuung als Einheit miteinander zu verbinden. Kritik übten sie an der Ausbildung der Erzieherinnen, ihrer geringen Bezahlung und den schlechten Aufstiegschancen. Nur in Bremen könnten Erzieherinnen an einer Universität studieren, vier weitere Bundesländer böten Studienmöglichkeiten an Fachhochschulen. Laut "Zeit" mahnte die OECD höhere Investitionen im vorschulischen Bereich an.
Unterdessen schießen auch in Österreich die Spekulationen über das Abschneiden bei Pisa II ins Kraut. So berichteten die "Salzburger Nachrichten" am Mittwoch über einen jähen Absturz in der Pisa-Leistungstabelle. Bei der Disziplin Lesen und Textverständnis sei Österreich vom 10. auf den 19. Platz gesunken. Beim ersten Durchgang hatte das Land in seine Testgruppe zu wenig Berufsschüler aufgenommen.