Reformpläne Hamburg will Schullandschaft umpflügen
Hamburg - "Wir wollen die Schüler auf zwei Säulen verteilen", sagte die Hamburger Bildungssenatorin dem SPIEGEL. "Bislang gehen alle Formen querbeet durcheinander, ohne dass die Schulen ein klares Profil haben. Die Eltern wissen nicht, wofür die Schule eigentlich steht, und die Schüler werden zwischen den unterschiedlichen Schulformen hin- und hergeschoben".
Bislang gibt es in Hamburg sechs verschiedene Schultypen: Haupt-, Real-, integrierte Haupt- und Real- sowie Gesamtschulen, Gymnasien und Aufbaugymnasien. Die Zukunft soll anders aussehen. Im Gespräch ist ein zweigliedriges Schulsystem wie etwa in Sachsen, wo Kinder nach der Grundschule entweder aufs Gymnasium wechseln und nach insgesamt zwölf Schuljahren Abitur machen oder mindestens bis zur neunten Klasse gemeinsam die so genannte Mittelschule besuchen und dort ihren Hauptschulabschluss machen oder ein Jahr später den Realschulabschluss. Auch das Abitur soll dort möglich sein, dann aber nach 13 Jahren.
Behördensprecher Alexander Luckow sagte der Nachrichtenagentur AP zu den Überlegungen in der Bildungsbehörde, das jetzige System sei sehr unübersichtlich, Übergänge seien schwierig. Konkreter Anlass für die Überlegungen zu einer Schulreform ist ihm zufolge der große Anteil so genannter Risikoschüler von rund 75 Prozent an den Hauptschulen, aber auch an vielen der mehr als 30 Gesamtschulen. Gemeint sind damit den Angaben zufolge Schüler, die mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Bildungsabschluss erreichen. Außerdem sei die Hauptschule mit einem Gesamtanteil von zehn Prozent der Schüler eine "Restschule".
Die Diskussion für eine entsprechende Schulreform ist in Hamburg nach Angaben von Luckow aber erst am Anfang. Änderungen seien in dieser, bis Frühjahr 2008 dauernden Legislaturperiode, nicht mehr zu erwarten. Die Reform soll vermutlich 2010 in Angriff genommen werden.
Hamburgs Schüler hatten beim Pisa-Test bundesweit die größten Leistungsunterschiede gezeigt: Die besten fünf Prozent waren im Deutschlandvergleich vorn, aber ein sehr großer Anteil gehörte zu den schlechtesten Schülern.