Schüler hält 120 Tiere zu Hause - DER SPIEGEL
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Leidenschaften eines Teenagers: Lamas und Landschafe

Ungewöhnliches Hobby Max hat 120 Tiere

Kaninchen, Hunde, Schafe, Lamas: Max hält nicht ein Haustier, sondern 120. Der 13-Jährige steckt viel Zeit und Taschengeld in sein Hobby - er will Arten vor dem Aussterben retten.
Von Christian Engel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Lama schmollt. Es will nicht gebürstet werden. Maximilian "Max" Jasker kennt das schon. Mit der Bürste in der Hand redet der 13-Jährige beruhigend auf Lama Carlos ein, während hinter ihm im Stall eine Ziege über eine niedrige Trennmauer flitzt.

"Sind wir wieder Kumpels?", fragt der rothaarige Junge mit der Schäfermütze nach einer Weile. Carlos antwortet natürlich nicht. Aber als Max die Bürste wieder an das glatte Halsfell setzt, beugt sich Carlos ein bisschen zu ihm hin.

Max, das kann man so sagen, ist verrückt nach Tieren. In seinem niedersächsischen Heimatort Amt Neuhaus hält der Schüler etwa 120 Tiere von 14 Arten. Darunter sind nicht nur exotische wie die Lamas. Eine besondere Vorliebe hat Max für Nutztiere, die vom Aussterben bedroht sind - von Leinegänsen über Cröllwitzer Puten bis hin zu Meißner Widder-Kaninchen. Insgesamt acht von Max' Arten stehen auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Max will diese Arten erhalten. Deshalb kümmert sich der Teenager nicht nur um sie, sondern züchtet sie auch - und das seitdem er sechs Jahre alt ist. Aus Liebe zu den alten Arten ist Max auch, als Jüngster, Mitglied der Arche-Region - ein Netzwerk von 140 Züchtern an der Elbe rund um Max' Heimatort, die sich für den Erhalt seltener Nutztiere einsetzen.

Die Eltern kauften immer mehr Land

Max' Plan für die Zukunft: In einem Stall will er nur vom Aussterben bedrohte Arten halten, um Schulklassen und Kindergärten die seltenen Tiere näherzubringen. "Maximilians Kinder Arche"  soll nächstes Jahr im Oktober aufmachen, bis dahin sucht Max noch nach Spendern.

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Rund einen Kilometer vom Haus seiner Familie entfernt geht Max eine Böschung hinunter auf einen Bach zu. Neben ihm läuft Funny, eine altdeutsche Hütehündin - ebenfalls Sprößling einer seltenen Art und Max' beste Freundin. An dem Bach weiden die mehr als zwei Dutzend Schafe von Max, unter ihnen auch vom Aussterben bedrohte Bentheimer Landschafe. Ihren jungen Hirten begrüßen die Schafe mit Mähs und Möhs in allen Tonlagen. "Komm, komm, komm", Max zieht den Ast einer Eiche herunter, und die Schafe fressen ihm die Blätter aus der Hand.

Max wählt zufällig ein Lamm aus und dreht es blitzschnell auf den Rücken. Er sieht eine Zecke, reißt sie weg und drückt die Wunde mit einem kleinen Stock aus. "Mit Zeckenbissen ist nicht zu scherzen", sagt er. Dann kläfft Funny, die gerade ein paar Dutzend Meter entfernt von Max steht. "Funny", ermahnt Max und hebt den Zeigefinger. Die Hündin verstummt.

"Jeden Tag, wenn Max von der Schule zurückkommt, führt sich Funny auf, als wenn er ein ganzes Jahr weggewesen wäre", sagt Max' Vater Jens Jasker. Max' besondere Beziehung zu Tieren hat sich bereits früh angekündigt: Schon im Kinderwagen habe er die Familie immer nur dahin dirigiert, wo es Tiere zu sehen gab, sagt Jasker. "Er konnte auch stundenlang vor 'ner Schnecke stehen."

Als Max vier war, haben die Eltern, die selbst nie viele Tiere hatten, ihm zwei Ponys gekauft - und ein Grundstück, um sie zu halten. Später bekam Max dann ein Schaf. Von da an war seine Begeisterung nicht mehr zu bremsen. Nach und nach wurden es immer mehr Tiere, und die Eltern kauften mehr Land.

Zehn Stunden Arbeit täglich

Heute sind die Tiere ein großer Bestandteil von Max' Leben - und dem seiner Eltern: Drei bis vier Stunden verbringen alle drei jeden Tag mit dem Rauslassen und Füttern. Und jeden Monat fallen 200 bis 250 Euro an Kosten an. "Dafür ist es für uns auch immer ein bisschen wie Urlaub, die Zeit mit den Tieren im Grünen zu verbringen", sagt Vater Jasker.

Nachmittags teilt Max sein Hobby oft mit seinen Klassenkameraden. Zwei Freunde kommen nach der Schule oft mit zu den Tieren, um zu helfen.

Auch wenn er an Regentagen manchmal keine Lust hat - vom Züchten hat Max noch lange nicht genug: Viele der Tiere, die er aufgezogen hat, verkauft er an andere Züchter. Die Einnahmen steckt er - mit seinem Taschengeld - in Futter für Hasen, Schafe, Hunde und in neue seltene Tiere. Als nächstes will Max sich schottische Hochlandrinder zulegen.

Jens Jasker steht auf dem Heu im Stall und beobachtet seinen Sohn, wie er sich wie ein kleiner Zoodirektor zwischen den Tieren bewegt. "Wir hatten immer gedacht, dass das mit Max und den Tieren sich beruhigt, wenn er älter wird", sagt der Vater, während sich hinter ihm ein Widder mannshoch auf sein Gatter stemmt. "Aber ich weiß nicht - das wird immer mehr."

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