Sommerferien: Willkommen im Stau - DER SPIEGEL
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Sommerferien Willkommen im Stau

"80 Kilometer zäh fließender Verkehr vor Nürnberg" - solche Meldungen wird man in den nächsten Wochen öfter hören. Am Wochenende starten Berlin, Brandenburg und Hamburg in die großen Ferien. Richtig hart kommt es, wenn die größten Bundesländer loslegen. Denn seit Jahren balgen sich die Kultusminister um einen Platz an der Sonne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn Bürger aus Berlin, Brandenburg und Hamburg an diesem Wochenende in die Sommerferien aufbrechen, sollte das Gedränge an den Urlaubsorten noch nicht allzu groß sein. Doch zum Ende der Sommermonate wurde es schon im letzten Jahr eng: Ausgerechnet die Bürger der drei bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg drängen nahezu zeitgleich in die Urlaubsgefilde.

Ziemlich genau die Hälfte aller Deutschen, 41.124 Millionen Menschen, leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in diesen drei Ländern. Die Terminplanung für die Schulferien entscheidet darüber, wie viel Zeit Familien im Stau verbringen und wie voll es in den Urlaubshochburgen ist. Früher sorgte deshalb die Ferienordnung dafür, dass die rund 18 Millionen Nordrhein-Westfalen nicht gerade gemeinsam mit ihren Mitmenschen aus dem Süden der Republik in den Sommerurlaub geschickt wurden.

Bitte nicht im kühlen Juni

1999 beschlossen die Ministerpräsidenten eine Neuregelung, die ab 2003 galt. Hauptsächlich auf Betreiben der damaligen nordrhein-westfälischen Schulministerin Gabriele Behler wollten auch die Nordrhein-Westfalen den späten Termin im August und September, wenn die Meere von der Sommersonne warm sind - nicht immer nur den oft kühlen Juni.

Und da Bayern und Baden-Württemberg gar nicht daran dachten, von ihren angestammten Hochsommerterminen zu weichen, und da auch die anderen Länder nicht scharf auf den Juni waren, wurde es knapp: Auf nur noch 76 Tage schnurren die gesamten Sommerferien zusammen, mit einem deutlichen Schwerpunkt im August und September.

Diese Sommerferien nach dem neuen Schema freilich wurden von den Ministerpräsidenten schon gekippt, bevor sie zum ersten Mal stattfanden. Im März 2003 beschlossen die Regierungschefs, die Neuordnung von 1999 erneut zu verändern. Und das bedeutet weitgehend eine Rückkehr zum früheren Status: Die Bayern und die Baden-Württemberger sitzen weiter am Ende der Periode im badewannenwarmen Mittelmeer.

Die anderen Länder müssen sich mit entsprechend früheren Terminen abfinden, wechseln sich aber immerhin ab, was den unbeliebten Ferienbeginn im Juni angeht. Die Änderung gilt ab 2005, schneller sei es aus Gründen der Planungssicherheit nicht machbar gewesen, hieß es im vergangenen Jahr.

Brandbrief an die Ministerpräsidenten

Für die 18 Millionen Nordrhein-Westfalen ist dann praktisch alles wieder wie früher: Ihre Sommerferien beginnen Ende Juni, spätestens Mitte Juli, und enden Anfang bis Ende August. Zum letzten Mal können sie in diesem Jahr noch ein paar Tage Septembersonne mitnehmen, bis ihre Sommerferien am 4. September enden. Insgesamt wurde die Spanne, in der mindestens ein Bundesland gerade Sommerferien macht, von den Kultusministern auf künftig 82 Tage festgelegt. Das ärgert nun den CSU-Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken. Die "Verkleinerung des Zeitfensters" im vergangenen Jahr habe der deutschen Tourismuswirtschaft Schaden in Millionenhöhe zugefügt, beklagte Hinsken diese Woche. Schließlich bedeute der Verlust eines Ferientags bereits ein Minus von rund einer Million Übernachtungen - bei durchschnittlichen Tagesausgaben der Touristen von rund 70 Euro zumindest statistisch ein teures Vergnügen.

Hinsken sind auch die 82 Tage der neuen Ferienordnung nicht genug. Er forderte, die schulfreie Zeit im Sommer auf mindestens 90 Tage zu verteilen, wie es 1999 schon einmal gewesen sei. Er habe allen Ministerpräsidenten jetzt "einen Brandbrief ins Haus geschickt", weil die Kultusministerkonferenz sich bisher "halsstarrig" zeige, ließ der zornige Politiker wissen.

Von Joachim Sondermann, AP