Streber-Mobbing Angeben mit Pythagoras
Fest steht, wer wegen guter Noten geärgert wird, sollte sich das möglichst wenig zu Herzen nehmen: "Dann geht es einfach um den guten Schüler in der Klasse, nicht um die Person", sagt Beate Friese von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendtelefon in Wuppertal. Einfach ist es aber nicht, sich zu wehren. Wenn sich der Streit mit den Mitschülern partout nicht allein regeln lässt, können Lehrer oder Eltern helfen.
"In der Forschung haben wir festgestellt, dass genauso viele gute wie schlechter Schüler ausgegrenzt werden", sagt Olaf Köller, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Wer in Mathe und in anderen Fächern gut ist, gehört oft sogar zu den besonders beliebten Schülern."
Gute Noten in Mathe oder Latein könnten aber auch eine Angriffsfläche bieten: "Für viele Schüler sind das schwere Fächer, zu denen sie keine Lust haben", sagt Köller. Dann kann es "in" sein, die Themen und die guten Mitschüler als blöd abzuwerten. Schlechtere Mitschüler könnten neidisch und missgünstig werden, sagt auch Jugendberaterin Friese.
"Gute Schüler in schweren Fächern sind bei uns - im Gegensatz zu Großbritannien zum Beispiel - nur selten Vorbilder", sagt Heinz-Peter Meidinger, selbst Lehrer und stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbands. "Wer im Sport gute Leistungen bringt, ist automatisch anerkannt." Das Image eines Faches ist auch laut Köller nicht unwichtig: "Mit dem Satz des Pythagoras lassen sich Mitschüler oder Freunde nur selten beeindrucken."
Meist legt sich das Problem in den höheren Klassen: "In der Oberstufe eines Gymnasiums wird weniger gegen die angeblichen Streber gestichelt", sagt Meidinger vom Lehrerverband. Unter Ausgrenzung und Mobbing leiden dagegen immer mehr jüngere Schüler: "Das Problem reicht bis in die Grundschulen hinein", sagt Friese.
"Am besten ist es immer, Probleme mit Klassenkameraden selbst zu lösen", rät Friese. Sich genauso zu verhalten und auch zu stänkern, habe aber kaum Erfolg. "Wer sich traut, sollte lieber versuchen, mit seinen Mitschülern zu reden", sagt Meidinger. Wenn das nicht geht, könnten auch Pädagogen helfen, denen man vertraut. "Natürlich darf der Lehrer daraus nicht gleich einen öffentlichen Fall machen."
-
4 Min
-
4 Min
-
2 Min
-
2 Min
-
2 Min
-
4 Min
Auch wenn Eltern sich einschalten, ist laut Meidinger Vorsicht und Fingerspitzengefühl nötig, damit die ganze Situation nicht noch schlimmer wird. "Wenn sich gar nichts mehr retten lässt, kann der Schüler nur noch die Klasse wechseln."
Damit es soweit nicht kommt, wirbt Jugendberaterin Friese um Verständnis füreinander: "Vielleicht steht derjenige, der gegen die guten Schüler stichelt, unter großem Leistungsdruck, und die Versetzung steht sogar auf dem Spiel." Umgekehrt dürften die gescholtenen "Streber" die Beleidigungen der anderen nicht annehmen.
Von Katharina Link, gms