Tipps der Jury: Heftinhalt - DER SPIEGEL
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Tipps der Jury Heftinhalt

"Das muss auch meine Tante Frieda interessieren und verstehen", fasste STERN-Gründer und Verleger Henri Nannen das Geheimnis einer erfolgreichen Zeitschrift zusammen. Anders formuliert: Die Mischung macht's, der "Heftinhalt" ist kein Thema, sondern die Kunst, in den Kopf des Lesers zu gelangen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Bow, das ist aber interessant" - "Das glaub' ich nicht" - "Mensch, hast du das gelesen?", würde ein SPIEGEL-Chefredakteur sein Rezept zusammenfassen. Und dabei kommt es auf den Heftinhalt an, die Mischung macht's.

Die klassischen Rubriken wie Politik, Ausland, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Sport, Wissenschaft sind auch für eine Schülerzeitung ein brauchbares Korsett. Da lässt sich vieles reinpacken, von der selbst recherchierten Geschichte über die Kommunalpolitik, den Auslandsaufenthalt, die Schulfinanzen und die Disco-Szene bis zur Meisterschaft oder dem Forschungsaustausch.

Heftinhalt heißt auch, dass die Artikel Inhalt haben sollen. Am Anfang steht eine gute Themenidee, dann kommt die handwerklich saubere Umsetzung. Die Jury des SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerbs würde sich vor allem mehr eigene Recherche wünschen. Also nicht nur im Internet schnell ein paar Sekundärquellen zusammensuchen. Das ist zwar auch wichtig und ein guter Start. Aber dann mit dem gelesenen Material hinaus in die rauhe Welt, nachschauen vor Ort.

Beispiel eins: Wie ein Drogendealer auf dem Schulhof seine Ware an den Mann bekommt, wird er nicht freiwillig erzählen. Also reden wir mit Insidern unter Zusicherung des Informantenschutzes. Beispiel zwei: Über Atomkraft kann man eine Meinung haben. Besser ist es, einen Besuchstermin in einem AKW und bei dessen Betreibern zu machen. Die kritische Wertung muss nicht fehlen. Allerdings ist die Zeitung an der Schule kein "General Interest"-Magazin, sondern wendet sich in erster Linie an die eigenen Leidensgenossen. Also gehört natürlich auch vieles von dem rein, was Verlagsprofis gern "Nutzwert und Service" nennen. Es dient dem Heftinhalt, die obligaten Lehrerinterviews, den Schulhof, die Raucherecke oder Sanitärprobleme mit journalistischer Phantasie aufzuarbeiten - oder es manchmal auch bleiben zu lassen.

Heftinhalt ist die hohe Kunst der Chefredaktion, auch Themen anzuregen. "Es wäre doch toll, mal zu erfahren, wer eigentlich unsere Klassenzimmer putzt." Schon gibt es einen möglicherweise interessanten Artikel zum Thema Zuwanderung. Ein durchdachter Heftinhalt sollte auch mit Verstand präsentiert werden. Dazu gehört ein gutes Inhaltsverzeichnis, ein leserführendes Layout und schließlich ein Titel, der mindestes neugierig macht.


Sebastian Knauer