US-Pädagogik: Tausche Schulnote gegen Banknote - DER SPIEGEL
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US-Pädagogik Tausche Schulnote gegen Banknote

In den USA versuchen Schulen verstärkt, ihre Schüler durch Geldprämien anzuspornen. Mit guten Leistungen kann man bis zu 1000 Dollar pro Schuljahr verdienen - ein sinnvoller Anreiz oder pädagogischer Sommerschlussverkauf?
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Für eine Zwei gibt's fünf Euro, für eine Eins zehn, für die nächste 20 Euro - und wenn die gute Note auch noch im Zeugnis steht, geben Mami und Papi was zur Urlaubsreise dazu. Wer es sich leisten kann, stellt dem Sprössling zum bestandenen Abi gar ein Auto vor die Tür.

Eltern versuchen schon lange, ihre Kinder mit Geld oder Geschenken zu guten Leistungen in der Schule zu motivieren. In den USA setzen jetzt inzwischen aber viele Rektoren und Lehrer auf Belohnungen für Schüler.

Hunderte US-Schulen haben sich nach einem Bericht des "Wall Street Journals" in den vergangenen zwei Jahren entschieden, bei sogenannten "Pay for Performance"-Programmen mitzumachen. Das bedeutet: Für gute Schulnoten gibt es echte Banknoten.

500 Dollar in Texas, 1000 in New York

Bei einem Modellversuch in Texas konnten Schüler demnach bis zu 500 Dollar für herausragende Ergebnisse in den Fächern Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften einstreichen. In New York City haben 31 Schulen gute Leistungen sogar mit bis zu 1000 Dollar belohnt. In einigen texanischen Schulen hatten zudem die Lehrer neben einer Extra-Ausbildung auch eine Extra-Belohnung erhalten - genauso wie ihre Schüler.

Eine Studie der New Yorker Cornell-Universität, für die 40 teilnehmende Schulen in Texas untersucht wurden, soll nun den Erfolg des Programms belegen: Mehr Jugendliche schaffen es jetzt in die Fortgeschrittenen-Kurse an der Highschool, außerdem beginnen mehr Schüler ein Studium. Am erfolgreichsten schnitten dabei Angehörige ethnischer Minderheiten ab, so die Untersuchung.

Zu Beginn des neuen Schuljahres werden auch Schulen in den Bundesstaaten Arkansas, Alabama, Connecticut, Kentucky, Massachusetts und Virginia dem Vorbild aus Texas folgen. Ihr Fünfjahresbudget liegt bei jeweils 13 Millionen Dollar, gestiftet von Unternehmen wie dem Mineralölkonzern ExxonMobil.

Pädagogische Bankrotterklärung?

Kritiker sagen, das Belohnungssystem löse nicht die eigentlichen Probleme der Schulen: "Wenn wir schon investieren, warum dann nicht in etwas, von dem wir wissen, dass es funktioniert - zum Beispiel in Klassenverkleinerung oder längere Lernzeiten?", so die rhetorische Frage von Pedro Noguera, Soziologieprofessor an der New York University. Er ist ein Gegner der "Pay for Performance"-Bewegung. Viele Schüler hätten Schwierigkeiten, weil sie "einfach nicht auf gute Schulen gehen", so Noguera. "Da wird auch eine Belohnung nicht helfen."

Auch in Israel und Kanada haben Schulen bereits ähnliche Programme getestet, in Großbritannien bekommen Schulschwänzer Geld für ihre Anwesenheit im Unterricht, im US-Bundesstaat Georgia erhalten die Schüler eine Belohnung fürs freiwillige Nachsitzen.

Die Ergebnisse all dieser Programme sind gemischt: Auch wenn die Leistungen der Schüler besser werden, ist es fraglich, ob ihre Motivation anhält, sobald das Geld als Anreiz verschwindet. Es könne sich auch die Lust auf Lernen aus nicht-finanziellen Gründen vermindern, sagen Kritiker.

sem