Was Schüler werden wollen: Polizist oder Mainzelmännchen - DER SPIEGEL
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Was Schüler werden wollen Polizist oder Mainzelmännchen

Schüler möchten bei MTV moderieren, bei H&M Klamotten schneidern, oder... beim ZDF Bänder sortieren? Am Straßenrand Autos kontrollieren? Das "Schülerbarometer" hat die Jugendlichen in Deutschland gefragt, wo sie einmal arbeiten wollen - das Ergebnis ist kurios.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Abenteurer, Weltumsegler, Sport-Star - als Vorbilder sind diese Typen passé. Die Schüler in Deutschland sehnen sich nach einem Arbeitsplatz, der sicher ist, ihnen viel Freizeit lässt und an dem sie sich nicht langweilen. Jedenfalls wenn man der Studie "Schülerbarometer 2007" des Umfrage-Instituts Trendence glauben will.

Trendence hat rund 8400 Schüler der Klassenstufen 7 bis 13 von Gymnasien, Gesamt- und Realschulen in ganz Deutschland Fragen gestellt - zu ihrer Zukunft, zum Abschluss, zum Job, den sie einmal machen wollen. Und: bei welchem Unternehmen.

Dieses "Arbeitgeber-Ranking" ist der Grund, warum derartige Umfragen so beliebt sind - beim fragenden Institut und bei den genannten Firmen. Das Institut zeigt, warum es existiert, die Unternehmen freuen sich über ihre offiziell verkündete Attraktivität.

Wenn Studenten gefragt werden, haben diese Rankings auch eine gewisse Aussagekraft - die zukünftigen Mitarbeiter bewerten quasi ihre potentiellen Arbeitgeber. Bei den Schülern, Durchschnittsalter 17, wird die Liste aber eher kurios.

Sicherheit, Abwechslung, Freizeit

Der beliebteste Arbeitgeber 2007 ist demnach... VIVA/MTV? Nicht unter den Top 100. H&M? Platz 11. Puma, Nike, Reebok und Konsorten? Nicht dabei. Gerade mal Adidas schafft einen achtbaren achten Platz. Davor reihen sich - in umgekehrter Reihenfolge - Platz 7 Hilton Hotels, Platz 6, Bundeswehr, Platz 5 Porsche AG, Platz 4 BMW.

Top Zehn: Schüler

1 Polizei
2 ZDF
3 Deutsche Lufthansa AG
4 BMW Group
5 Porsche AG
6 Bundeswehr
7 Hilton Hotels
8 Adidas AG
9 Auswärtiges Amt
10 AUDI AG
Quelle: Trendence Institut

Bei Platz 3, der Lufthansa, kann man irgendwie den Drang der Schüler in die weite Welt als Triebfeder unterstellen - aber warum auf Platz 2 das ZDF landet und auf Platz 1 die Polizei, das versteht nur, wer den hinteren Teil der Umfrage liest.

Dort fragt das Trendence-Institut, was die Schüler von ihrem Arbeitsplatz erwarten, was ihnen wichtig ist und was nicht. Die urbanen Job-Nomaden, deren Prinzip "Heute hier, morgen dort" lautet und die sich zum Kaffee auf den Flughäfen dieser Welt treffen - die gibt es in Deutschland nicht, oder die Studie hat sie nicht erwischt. Laut Umfrage will die Jugend einen sicheren Job, genug Zeit für sich selbst, vielleicht noch mit der Firma wirtschaftlichen Erfolg, gern ein gutes Einkommen.

So wünschen sich mehr als 60 Prozent der Schüler besonders einen sicheren Arbeitsplatz. Betrachtet man nur die Mädchen, schnellt die Ziffer auf 74 Prozent.

Die weite Welt spielt keine Rolle

Fast genauso so viele wünschen sich "interessante und vielseitige Aufgaben" - hier führen die Mädchen mit mehr als 60 Prozent vor den Jungs (50 Prozent). Immerhin die Hälfte aller Befragten will ein "ausgeglichenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben". Sicherheit, Abwechslung, Freizeit: Das passt für die Schüler anscheinend zu Polizei wie zum ZDF.

Top Drei: Jungs vs. Mädchen

Jungs
1 Polizei
2 Porsche AG
3 BMW Group
Mädchen
1 Polizei
2 ZDF
3 Hilton Hotels

Nicht sehr wichtig ist den Schülern offenbar auch das Ausland: Nur 26 Prozent und damit relativ wenige reizt die "Möglichkeit zum Auslandseinsatz", 17 Prozent interessiert das gar nicht. Das scheinen nicht die Schüler gewesen zu sein, welche die Lufthansa auf den dritten Platz des Rankings gewählt haben. Fast 80 Prozent würden zwar für eine Stelle in eine Großstadt ziehen, weniger als die Hälfte würde dafür Deutschland verlassen.

Wer nach der Schule eine Ausbildung begonnen hat, wünscht sich "Gute Vorgesetzte" im künftigen Job - das interessiert die angehenden Studenten mehrheitlich nicht, sie wollen wohl eher eines Tages selbst ein solcher "Vorgesetzter" sein.

Die Studie fragt auch nach politischen Themen, persönlichen Einschätzungen, versucht zu ergründen, was den Schülern wichtig ist. Umwelt, Klima, das Zusammenwachsen Deutschlands, die Situation von Migranten treiben die jungen Leute laut Studie nur mäßig um.

Viel wichtiger: "Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben" - das fanden mehr als acht von zehn Schülern wichtig. Sieben von zehn wollen später "ein möglichst hohes Einkommen erzielen". Dann erst kommt: "Ich mache mir Sorgen wegen der Umweltverschmutzung oder Klimaveränderung Sorgen", knapp sieben von zehn Schülern sehen das so. Ob es die gleichen sind, die gerne bei BWM oder Porsche arbeiten wollen?

maf