Weltmädchentag Im Kopf einer 14-Jährigen
Frederike
Foto: SPIEGEL ONLINEIch finde es merkwürdig, wie anders Erwachsene das Leben sehen. Wenn ich mit Eltern oder Lehrern spreche, stelle ich immer wieder fest, dass meine Wünsche, Probleme und Erfahrungen grundverschieden von ihren sind. Wollt ihr wissen, wie meine Welt aussieht? Hier kommen die wichtigsten Themen:
- Schule: Schwänzer oder Streber
Ich besuche die neunte Klasse eines Gymnasiums in Hamburg-Nord und in der Schule ist es derzeit nicht ganz so einfach. In diesem Schuljahr sind alle in der Klasse eher entspannt, weil man bis zur Versetzung in die Oberstufe nicht von der Schule verwiesen werden kann. In meiner Stufe ist es so, dass viele einfach "keinen Bock" haben, in Jogginghose zur Schule kommen, nur genervt sind oder erst gar nicht kommen. Wenn man aber versucht, seinen Dreinuller-Schnitt der vergangenen Jahre zu verbessern, gilt man gleich als Streber - ist zwar nicht schlimm, fühlt sich aber auch nicht ganz richtig an.
- Meine Mädels und ich
Aus dem Alter der Zickenkriege ist man mit 14 zwar mehr oder weniger raus, aber dafür gibt es schon wieder neue Probleme. In meiner Klasse gibt es eine große Mädchenclique, man kann nicht "rausgeschmissen" werden und Aufnahmerituale gibt es auch nicht. Manche sind aber trotzdem unerwünscht und merken das auch ohne Worte - weil sie in der Pause und bei der Partnerarbeit allein bleiben oder nicht zur WhatsApp-Gruppe gehören. Fies, aber eindeutig. Innerhalb der Clique haben alle ihre zwei besten Freundinnen - mit denen bespricht man wirklich alles und lästert auch über alles und jeden. Ups.
- Doofe Jungs? Danke, Kreislauf der Pubertät!
In meinem Alter fängt man langsam an, sich für Jungs zu interessieren. Aber das scheitert leider an den Jungs - zumindest bei den Gleichaltrigen. Denn bei Jungs ist es so, wenn ich das im Bio-Unterricht richtig verstanden habe, dass die Pubertät später anfängt und deshalb Mädchen ab einem gewissen Zeitpunkt einfach reifer sind. Und das stimmt auch. Was will man mit Jungs anfangen, die sich aus Spaß prügeln, nur am Computer spielen und ständig alberne Witze reißen. Zusammengefasst: Freundschaften mit Jungs sind erwünscht, aber bitte nicht auf dem Niveau eines Grundschülers.
- In zwei Jahren kannst du deinen Führerschein anfangen!
Eigentlich ist 14 ein Scheißalter. Man trinkt zwar manchmal schon ein Bier - aber eigentlich nur, um dazuzugehören. Man steckt noch mitten in der Pubertät, will am liebsten aber schon erwachsen sein. Ich träume von meiner Zukunft, in der ich endlich meine eigene Wohnung habe und tun und lassen kann, was ich will. Auch wenn mein Freundeskreis und ich wissen, dass das Leben als Erwachsener auch nicht ganz so einfach ist, freuen wir uns schon alle auf unseren "Sweet 16".
- Multitasking auf 4,7 Zoll
Das Einzige, was ich niemals vergessen würde, wenn ich aus dem Haus gehe, ist mein iPhone. Das Smartphone ist für viele Jugendliche der wichtigste Gegenstand. Ich benutze es für selbstverständliche Dinge wie Telefonieren oder als Kamera. Darüber hinaus schreibe ich unglaublich viel mit meinen Freunden über WhatsApp. Was ich besonders gerne mache: Ich gucke meine Lieblingsserien gemütlich auf meinem Handy. Fernsehen gucke ich kaum.
- Totes Facebook und viele Streaks
Streaks bei Snapchat
Foto: SPIEGEL ONLINEWhatsApp, Snapchat, Instagram und YouTube: Alle meine Freunde benutzen diese sozialen Medien. Und Facebook? Das ist out. Manche haben es zwar noch, wird aber selten benutzt. Instagram benutze ich, um Fotos von mir zu veröffentlichen und um Freunden zu folgen, aber auch bekannten Personen oder Seiten, die sich mit ganz allgemeinen Themen beschäftigen, wie zum Beispiel Lifestyle oder Comedy. Bei Snapchat geht es momentan darum, mit seinen Freunden möglichst viele Streaks (Flammen) zu haben. Streaks erscheinen neben dem Namen der jeweiligen Person in der Chatleiste und geben an, wie viele Tage man mit der Person schon "snapt". Um den Score zu halten, muss man alle 24 Stunden ein Snap verschicken.
- Nicht noch ein "Lippenstiftsammlung"-Video!
Vor ein bis zwei Jahren habe ich YouTuber wie zum Beispiel "Bibisbeautypalace" noch begeistert verfolgt und mir jedes Video angeguckt. Ich war ein "Fan Girl". Doch jetzt interessiert mich das kaum noch. Inzwischen sieht man fast überall das Gleiche - echt langweilig. Momentan verfolge ich lieber Serienstars, zum Beispiel von meiner Lieblingsserie "Greys Anatomy".
- "Ja save hofft er auf cool"
Denglish-Wörter wie save, talken, random, nice und noch viele mehr benutzen viele meiner Freunde und ich im Alltag. Man integriert einfach englische Wörter in einen deutschen Satz. Und manchmal fügt man einfach die deutsche Endung an, zum Beispiel "talken". Verkürzte Sätze, die mit dem Verb hoffen beginnen, benutzen wir zur Zeit auch oft. Beispiel: "Er hofft auf cool." Das heißt: "Er fühlt sich toll, weil er sich cool findet."
- So toll ist Schminke jetzt auch nicht!
Man könnte denken, dass sich heute jedes Mädchen drei Kilogramm Make-up ins Gesicht schmiert. Aber so ist das gar nicht. Ich schminke mich vielleicht ein- bis dreimal pro Woche, je nachdem, wie ich Lust habe. Wenn ich das mache, benutze ich High-End-Schminke, also teure Marken. Dafür habe ich aber nicht so viel. Bei meinen Freunden ist das ähnlich, aber die schminken sich eher noch weniger als ich.