Weniger Schüler - weniger Lehrer Die Pläne der ostdeutschen Bundesländer
7400 weniger Lehrer in den nächsten sieben Jahren. Was nach dramatischem Stellenabbau klingt, ist für das Land Sachsen zunächst einmal eine Reaktion auf ein nicht von der Hand zu weisendes demografisches Phänomen: 1994 hatte Sachsen noch 770.000 Schüler, momentan sind es 620.000, im Jahr 2010 werden es nur noch 420.000 sein. Die Geburtenzahlen gehen in ganz Ostdeutschland stetig zurück.
Das Kabinett des Freistaates billigte unlängst ein Maßnahmenpaket, mit dem die Zahl der Lehrer an die sinkenden Schülerzahlen "sozialverträglich" angepasst werden sollen. Außerdem ist vorgesehen, dass weniger Lehrer gehen müssen, als wahrscheinlich Schüler ausbleiben werden. Die Schulen sollen also sogar an Niveau gewinnen, kündigte Kultusminister Matthias Rößler (CDU) an.
Das Land macht den Pädagogen drei Angebote. Nummer eins: Lehrer unter 55 Jahren können bis zu 50.000 Euro Abfindung erhalten. Das sei eine der höchsten Abfindungssumme, die jemals im öffentlichen Dienst gezahlt worden seien, meinte Rößler. Option Nummer zwei: Lehrer über 55 Jahren können vorzeitig in Rente gehen. Möglichkeit Nummer drei: Altersteilzeit oder Versetzung an berufsbildende Schulen.
Die sinkenden Schülerzahlen sind dabei nicht nur ein Problem Sachsens. Auch die anderen neuen Bundesländer müssen damit umgehen. Die Reaktionen sind unterschiedlich:
Auch Sachsen-Anhalt kämpft seit Jahren mit rückläufigen Schülerzahlen, derzeit lernen 290.000 Kinder und Jugendliche an den Schulen. Der Abwärtstrend wird sich fortsetzen. Dennoch reagiert das Land anders: Jährlich sollen 250 bis 250 neue Lehrerstellen geschaffen werden, damit der Lehrkörper nicht überaltert. Kündigungen soll es nicht geben, Angebote von Teilzeit, Abfindung oder vorzeitiger Rente jedoch schon.
Bislang habe das Land Brandenburg fast nur über Teilzeitmodelle die Lehrerzahl reduziert, hieß es im Bildungsministerium des Landes. Der Abbau geht weiter: Von 24.000 Lehrerstellen werden in Brandenburg in drei Jahren nur noch 20.500 übrig sein. Dafür wird die Zahl der Schüler in den kommenden drei Jahren um knapp 80.000 sinken.
Ähnliche Zahlen kommen aus Thüringen: Heute gibt es rund 335.000 Schüler, 2007 werden es nur noch 224.000 sein. Die Konsequenz: 7300 Lehrer müssen gehen. Während im September 2001 640 Lehrern gekündigt wurde, ist in diesem Jahr in dieser Hinsicht nichts zu befürchten, sagt Kultusminister Michael Krapp (CDU): "Bei entsprechender Flexibilität sind Entlassungen nicht notwendig."
- Senatsverwaltung für Bildung Berlin
- Bildungsministerium Brandenburg
- Kultusministerium Mecklenburg-Vorpommern
- Kultusministerium Sachsen
- Kultusministerium Sachsen-Anhalt
- Kultusministerium Thüringen
Stetig bergab geht es in Mecklenburg-Vorpommern - bei den Schüler- und den Lehrerzahlen. Heute gibt es 217.000 Schüler und 14.700 Lehrer. In sieben Jahren werden es nur noch 130.000 Schüler sein. Deswegen muss das Land schon in den nächsten fünf Jahren 5000 Lehrerstellen streichen. Dafür wendet Mecklenburg-Vorpommern sein "Lehrerpersonalkonzept" an: Altersteilzeit, Vorruhestand oder Aufhebungsverträge sind die Methoden, die die Lage entschärfen sollen.
In Berlin könnten in den nächsten vier Jahren etwa 2150 Lehrerstellen von jetzt 33.000 wegfallen, teilte die Senatsverwaltung für Bildung mit. Allerdings hat der neue SPD-PDS-Senat in seiner Koalitionsvereinbarung beschlossen, rund die Hälfte der Stellen zu erhalten. Das Ziel lautet "pädagogische Verbesserungen". Die rund 1000 Lehrer sollen in Halbtagsgrundschulen oder Integrationsmaßnahmen eingesetzt werden. Die Stellen, die gestrichen werden, sollen angeblich durch Eintritt in den Ruhestand automatisch frei werden.