Wir Außenseiter "Ich bin lesbisch"
Viele halten mich für... einen Kerl.
In Wirklichkeit bin ich... immer das Gegenteil von dem, was ich vorgebe zu sein. Ich wirke aufgeschlossen, bin aber zurückhaltend. Ich wirke etwas gefühlskalt, bin aber sehr sensibel.
Wenn ich an Schule denke..., erinnere ich mich an die immer wiederkehrende Frage: "Hast du einen Freund?" "Ich? Also, ja, klar." Ich hatte viele Freunde, imaginäre, bevor ich mich vor ein paar Leuten geoutet habe.
In der Klasse bin ich... geoutet. Alle Mädels wissen von meiner sexuellen Neigung, keiner der Jungs.
Das Schlimmste, was mir in der Schule je passierte..., ist, dass ich mich mal in eine Lehrerin verliebt habe.
Das Beste, was mir in der Schule je passierte..., ist, dass vor kurzem beim Nordic Walking meine Lehrerin zu mir sagte: "Na Carina, jetzt weißt du ja, was du mit deiner Freundin machen kannst." Ich war zwar etwas verwundert über ihre Menschenkenntnis, fand das aber auch spannend.
Wenn ich nach der Schule nach Hause komme..., geh ich auch gleich wieder, um zum Beispiel meiner sexuellen Neigung zu frönen.
Ich wäre gerne wie... andere mich haben wollen, um sie glücklich zu machen.
Meine Eltern wollen, dass ich... endlich mal einen Freund mitbringe. Sie wissen bis heute nichts von meiner sexuellen Neigung. Ich habe meiner Mutter mal von einem schwulen Chanson-Sänger erzählt, woraufhin sie nur sagte: "Du musst dir aber jetzt daran kein Beispiel nehmen. So was Abnormales will ich nicht in der Familie haben."
Am meisten hasse ich... Nazis, auch weil sie mal eine Freundin von mir verprügelt haben, nur weil sie lesbisch ist. Und Männer, die meinen, man müsste es einer Frau nur mal richtig besorgen, um sie umzupolen.
Wenn ich könnte, würde ich... gern so leben, wie jeder andere auch. Ich sehe nicht ein, mir als Homosexuelle eine Regenbogenflagge auf den Arsch tätowieren zu lassen, um zu zeigen: Hey - ich bin so! Außerdem träume ich von der Liebe einer ganz bestimmten Frau, aber "was das Herz begehrt" ist in dieser Lage unmöglich - sie ist hetero.
Außerdem in der SchulSPIEGEL-Woche der Außenseiter:
Donnerstag:
Sie rufen ihn Nigger und verprügeln ihn auf dem Pausenhof. Jeden Tag muss Salames einen dummen Spruch ertragen - weil er
nicht aus Deutschland ist, sondern aus dem Irak.
Freitag:
Marco, 18, ist der Klassenbeste, von dem alle die Hausaufgaben abschreiben. Leiden kann ihn trotzdem niemand.
Samstag:
Seine Mitschüler haben Ronny, 18, als Loser abgestempelt. Keiner spricht mit ihm, nur über ihn.