Stipendienprogramme Mehr Geld für Arme
Stipendium: Nicht in erster Linie den Nachwuchs von Akademikern fördern
Foto: A3634 Friso Gentsch/ dpaWenn es um die deutschen Stipendienprogramme ging, galt bisher immer ein Bibel-Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: "Denn wer da hat, dem wird gegeben werden." Das belegte vor einigen Monaten eine Studie des Hochschul-Informations-Systems, nach dem es zu etwa 70 Prozent Kinder "gehobener" und "hoher sozialer Herkunft" sind, die von Hilfen der Konrad-Adenauer-Stiftung und anderer Organisationen profitieren.
Verbände aus der Wirtschaft sowie Vertreter der Studentenschaft warnen nun einträchtig davor, diesen "Matthäus-Effekt" durch das von der Bundesregierung beschlossene nationale Stipendiensystem noch zu verschärfen. Auf längere Sicht sollen acht Prozent der deutschen Studenten dank des Systems einen monatlichen Zuschuss von 300 Euro bekommen.
Nach den Erfahrungen mit anderen Programmen müsse dabei "regelmäßig überprüft werden", dass die Vergabe der Stipendien durch die Universitäten "sozial ausgewogen" verlaufe und nicht in erster Linie der Nachwuchs von Akademikern gefördert werde, sagt Frank Stäudner, Sprecher des Stifterverbandes der deutschen Wirtschaft. So müsse es deutlicher honoriert werden, wenn ein Bewerber auch ohne familiäre Unterstützung das Abitur geschafft hat.
Der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS), Dachverband vieler Asten, hält das Stipendiensystem, in das die Bundesregierung mindestens 280 Millionen Euro investieren will, gar für "unnötig". Besser wäre es gewesen, das Bafög zum Ende des Jahres deutlicher als nur um zwei Prozent anzuheben, sagt FZS-Vorstandsmitglied Florian Kaiser.