Insidertipps für Studenten-Bands So klappt es mit der Musikkarriere
Massive Attack während eines Konzerts in Beirut: Wie wird man als Band erfolgreich?
Foto: Wael Hamzeh/ picture alliance / dpa1. Die Besetzung
Fünf Freunde, die nach der Uni ein bisschen im Proberaum herumjammen? Klingt nach Spaß - aber nicht nach Karriere. Erfolgreiche Männerbands folgen oft einem bestimmten Muster, Beispiele dafür sind The Smiths oder U2, Coldplay oder die Killers: Da ist der sensible Sänger, häufig ein eitler Pfau mit viel Charisma und einem Oberkörper, der es erlaubt, sich mal schnell das Hemd vom Leib zu reißen, ohne dass die Mädels flüchten. Der Gitarrist übernimmt gern die musikalische Kontrolle. Der Bassist ist der stille und virtuose Diener des Grooves. Den Schlagzeuger lieben alle - bis er irgendwann rausfliegt oder freiwillig geht.
Bei Mädchen- und Frauenbands gelten andere Gesetze. Weil es aber leider so wenige davon gibt, sind diese noch nicht erforscht. Klar ist, dass Reibung einer Band guttun kann, das zeigt zum Beispiel der Fall Oasis: Die Brüder Liam und Noel Gallagher kratzten sich schon in jungen Jahren die Augen aus, trotzdem reichte es zu einer Weltkarriere - bis Liam seinen älteren Bruder mit einer Pflaume bewarf. Das war dann wirklich zu viel des Guten. Die Band trennte sich.
2. Der Name
Ein falscher Bandname kann die Karriere erheblich behindern. Provokative Namen mit derben Wörtern wie zum Beispiel "Das Scheißhaus" (die Band gab es wirklich), "Blumen am Arsch der Hölle" (gab es auch) oder "Keine Zähne im Maul, aber La Paloma pfeifen" (gibt es noch) sind lustig, solange man gemeinsam beim Bier im Proberaum hockt - ansonsten sind sie eher sperrig und peinlich. "Man sollte den Namen auf einem T-Shirt tragen können, ohne sich dafür zu schämen", sagt Beat Gottwald, 35, Bandmanager von erfolgreichen Acts wie Casper, K.I.Z. oder Kraftklub. Sein Tipp: Wer stockt, wenn jemand nach dem Namen der neuen Band fragt, sollte weiter grübeln. Wobei - Metallica (klingt doch total nach Provinz) und die Smashing Pumpkins waren stur und behielten ihre blöden Namen. Was wiederum zeigt: Ist der Erfolg erst einmal da, ist der Name egal.
3. Das Bandfoto
Das Gruppenbild ist die Visitenkarte und daher von großer Bedeutung. "Das Foto definiert, für was die Band steht und wie sie sich der Welt zeigen möchte", schreibt der Autor Ian F. Svenonius in seinem Buch "22 Strategien für die erfolgreiche Gründung einer Rockband". Um sich abzusetzen, sollte man die gängigen Klischees vermeiden: Sängerinnen mit Schlafzimmerblick, Hip-Hop-Bands vor Graffitiwänden, mürrische Metal-Combos, die aussehen, als wollten sie gleich jemanden töten. Das perfekte Bandfoto gibt es nicht, wie Bandmanager Beat Gottwald sagt: "Einer guckt immer doof. Das ist nun mal so." Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bandfoto blöd aussieht, steigt übrigens mit zunehmendem Alter der Mitglieder: Es gibt nichts Uncooleres als Männer und Frauen über 40, die cool aussehen wollen. Als Studi hat man also noch ganz gute Chancen auf ein akzeptables Foto.
4. Die Proben
Proben ist wie Trainieren: Es sollte regelmäßig geschehen - und halbwegs nüchtern. Kleine und verdreckte Proberäume haben den Vorteil, dass man sich hier aufs Wesentliche konzentriert und nicht eine zweite WG daraus macht. Jedoch hört die Probe nicht auf, wenn man spät am Abend auseinandergeht: Teil einer Band zu sein ist eine Aufgabe, die das ganze Leben bestimmt, wie Buchautor Svenonius feststellt: "Mitglieder einer Band haben keine Freizeit. Man ist immer in der Gruppe - so lange, bis man rausfliegt. Daher muss man in jeder Stunde, ob wach oder schlafend, den Idealen der Gruppe treu sein. Wenn Turnschuhe nicht zur Identität der Band passen, dann darf man als Mitglied keine Turnschuhe tragen. Auch nicht im Urlaub."
5. Die Entdeckungen
Als Vorband für die Schnösel aus dem Nachbarproberaum spielen, ja oder nein? Ein teures Studio mieten, um die Songs endlich einmal richtig aufzunehmen, ja oder nein? Das Bandleben ist hart, denn immer wieder stehen Entscheidungen an. In der Politik ist Demokratie eine prima Sache, bei Bands versagt sie total. "Sie ist der absolute Feind", sagt Bandmanager Gottwald. "Wenn man zu fünft über jede Kleinigkeit diskutieren will, sollte man eine Selbsthilfegruppe gründen." Bands benötigen einen Chef, der die Dinge regelt. Wie er das macht, ob als Diktator oder Mediator, ist Geschmackssache. Sicher ist nur: Bands, die keine Entscheidungen treffen können, sind hoffnungslose Fälle.
6. Das Geschäft
Musikgruppen machen den größten Mist, wenn es zum ersten Mal steil nach oben geht. Dann ist die Euphorie groß. Man fühlt sich wie auf einer Welle, unangreifbar. "Es ist für Bands jedoch töricht, zu glauben, dass man das Musikgeschäft auch nur zu einem Prozent verstanden hat", sagt Beat Gottwald. Daher sollte man niemals einen Vertrag mit einem Label, einem Verlag oder einer Agentur ohne anwaltliche Beratung unterschreiben. Das mag ein wenig Geld kosten, aber es ist generell falsch, das wenige Geld zusammenzuhalten wie eine schwäbische Hausfrau. Rock 'n' Roll ist kein Sparklub. Bands, die vorwärtskommen möchten, müssen investieren: in besseres Equipment, schicke T-Shirts, gute Aufnahmen, eine aufregende Homepage, vielleicht sogar in einen eigenen Tourbus.
7. Das Ende
Sag niemals nie: Beinahe alle einmal aufgelösten Bands kommen wieder zusammen, sogar Provinzbands, die ihr Revival im Schützenhaus meist ganz besonders opulent inszenieren. Die Liste der Ausnahmen wird immer kleiner. Jede Wette: 2015 sind ABBA dran. Wobei man sich natürlich ein wenig lächerlich macht, wenn man die Gruppe mit Pauken und Trompeten auflöst, um dann zwei Jahre später wieder auf der Matte zu stehen. Kluge Bands sprechen daher heute nicht mehr von einer "Trennung", sondern einer "kreativen Pause auf unbestimmte Zeit". Das bedeutet das Gleiche - macht die Rückkehr aber glaubwürdiger.
Ausgabe 4/2014
Der Überlebende
Die abenteuerliche Geschichte des Studenten Patrick Manyika aus Ruanda