Studienhospital: Eingebildete Kranke - DER SPIEGEL
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Studienhospital Eingebildete Kranke

Die Universität Münster hat für die Medizinerausbildung Profi-Schauspieler angeheuert. Sie mimen Kranke - und ob die angehenden Ärzte sich richtig verhalten, können sie später per Video anschauen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Diese Simulanten machen sich um das Gemeinwohl verdient: Im neu eröffneten Studienhospital der Universität Münster dienen professionelle Schauspieler als Anschauungsobjekt. Sie mimen Leiden im Krankenbett, während die angehenden Mediziner auf Visite sind. Das bundesweit einzigartige Ausbildungskonzept soll den Ärztenachwuchs schon früh mit der Realität im Krankenhaus vertraut machen.

Um möglichst authentisch zu reagieren, werden die Schauspieler vorher in ihr Krankheitsbild eingewiesen. Nur so stelle sich "der wahre Adrenalinspiegel ein", betont der ärztliche Leiter des Übungshospitals, Hendrik Friedrichs. Das vermittelte Wissen bleibe wesentlich besser hängen als die im Hörsaal erworbenen Kenntnisse, erläutern die Ausbilder. Während in Großbritannien und den USA Studenten schon früh in Kontakt mit Patienten kommen, setze man in Deutschland "noch zu sehr auf Theorie", sagt der münstersche Studiendekan Bernhard Marschall.

Wie sie sich am Krankenbett schlagen, können die künftigen Weißkittel später auf Video ansehen. Hinter einer verspiegelten Scheibe verfolgen Mitstudenten und Ärzte die Visite. Anhand einer Kamera hinter dem Kopf des Patienten lässt sich nachvollziehen, wie die Autoritäten in Weiß dem Kranken begegnen, etwa, wenn die Mediziner in Fachchinesisch verfallen. Das Studienhospital soll bald um eine fiktive Notaufnahme erweitert werden: Hier trainieren die Medizinstudenten dann, einen kühlen Kopf zu behalten, auch wenn sie zeitgleich mit mehreren schweren Fällen konfrontiert werden.