WG-Ärger: "Meine Mitbewohnerin pfeift ständig" - DER SPIEGEL
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Hilfe vom WG-Psychologen "Meine Mitbewohnerin pfeift ständig"

Die Mitbewohnerin ist so gut drauf, dass sie den ganzen Tag pfeift. Wiebke kann es nicht mehr hören. Das sei "wie ein lebendiger Tinnitus", klagt sie. Was tun?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Person
Foto: Eric Lichtenscheidt

WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Wiebke* schreibt:

Lieber Herr Büter,

ich wohne seit einem Jahr in einer Zweier-WG. Meine Mitbewohnerin ist stets sehr fröhlich und auch schon sehr früh morgens sehr aktiv. Eigentlich alles schön und gut und positiv. Aber sie pfeift. Permanent.

Ich habe bereits versucht, sie darauf anzusprechen, und gefragt, ob sie das reduzieren könnte, weil dieses Geräusch auf Dauer sehr nervig in meinen Ohren ist. Sie meinte nur, ich könne ihr ihre gute Laune nicht verbieten. Damit hat sie ja auch irgendwie recht.

Bei anderen Problemen reagiert sie aber auf Kritik so sensibel, dass sie weinend zusammenbricht, zum Beispiel, wenn ich sie darum bitte, beim Badputzen auch mal den Boden zu wischen oder sie darauf hinweise, wenn sie mit ihrem Besuch nach Mitternacht noch sehr laut in der Küche sitzt.

Ich will ja nicht ihre gute Laune kaputt machen und sie, so zartbesaitet wie sie ist, doll kritisieren. Mich nervt es einfach nur echt derbe, und meine Freunde kommen mich hier nicht mehr besuchen, weil das Pfeifen einfach ein Dauerton im Hintergrund ist...!

Ich wache morgens sogar auf, weil sie lustige Melodien pfeift, und ich habe wirklich keinen leichten Schlaf. Auch wenn ich versuche, für Prüfungen zu lernen, pfeift sie. Das ist wie ein lebendiger Tinnitus. Und vor allem pfeift sie manchmal stundenlang eine einzige Melodie, die nur aus wenigen Tönen besteht.

Anfangs konnte ich es noch irgendwie ignorieren. Inzwischen fühlt es sich nach chinesischer Foltermethode an...

Was kann ich da tun? Wie kann ich das ansprechen?

* Name geändert

Typologie der WG-Mitbewohner: Glucken, Schnorrer, Spießer
Foto: SPIEGEL ONLINE

Sie können lieb sein, witzig und schrullig, eklig oder unendlich nervig: WG-Mitbewohner machen das Studentenleben manchmal schön und manchmal unerträglich. Diesen sieben Typen begegnet man in Wohngemeinschaften immer wieder. 

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Wiebke,

das beste Argument zu Ihren Gunsten liefert Ihre Nachbarin selbst: Die Laune von Mitbewohnern nicht mutwillig zu belasten ist ein Pakt der Gegenseitigkeit. Das heißt, niemand darf in einer WG eigene Neigungen und Gewohnheiten zum unantastbaren Hobby und Dogma erklären, weil ihm Einschränkungen die Laune verhageln könnten.

Erklären Sie der Mitbewohnerin, wie sehr Sie ihren Frohsinn schätzen, bestehen Sie aber auf einer Reduzierung ihrer "Verlautbarung" mit Rücksicht auf Sie selbst. Da ihre Angewohnheit bereits zwanghafte Züge zu tragen scheint, sollte ihr eine Verschiebung dieses Impulses leichter fallen als das abrupte Aufhören. Bitten Sie sie, ihre Liedchen zu summen. Ein Kompromiss wäre, es bei gemeinsamer Zeit in der WG so zu halten.

Sprechen Sie mit der Mitbewohnerin wie mit einer Erwachsenen, nicht wie mit jemandem, dessen Empfindlichkeit wie dünnes Eis ist, das keine Erschütterung, keinen festen Tritt verträgt. Schlaf und eine ungestörte Prüfungsvorbereitung rangieren höher als notorisches Pfeifen, auch wenn es gute Stimmung ausdrückt. Bemühen Sie sich um mehr Verbindlichkeit und Nachdruck, die Sie sich aus Angst vor Tränen bislang verwehrt haben. Dasselbe gilt natürlich für Mitternachtspartys in der Küche.

Ist die Nachbarin nicht einsichtig oder erfolglos im ehrlichen Bemühen, bleibt Ihnen zur Entlastung nur noch, das Lernen auszulagern, wie viele es aus anderen Gründen auch tun müssen.

Du hast WG-Kummer?
Foto: Silja Götz

Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de . Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.