WG-Psychologe: Ärger um Badbenutzung - DER SPIEGEL
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Hilfe vom WG-Psychologen Raus aus meinem Badezimmer!

Eine Vierer-WG verfügt über zwei Bäder: jeweils zwei Leute teilen sich eins - und schicken auch ihre Gäste dorthin. Doch dann bringt die Freundin eines cholerischen Mitbewohners alles durcheinander. Was tun?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Julia schreibt:

Guten Tag Herr Büter,

Ich lebe seit eineinhalb Monaten in einer Vierer-WG. Sie besteht aus zwei Männern und zwei Frauen. Mit meiner ebenfalls erst kürzlich eingezogenen Mitbewohnerin teile ich ein Bad. Unsere Mitbewohner haben ein Bad für sich. Für uns war klar, dass wir unseren jeweiligen Besuch in unser Bad schickten. Seit fünf Tagen ist nun aber die Freundin des einen Mitbewohners hier und benutzt unser Bad (inkl. Shampoo) , ohne irgendwelche Fragen.

Wir möchten dies jedoch nicht. Das Problem ist, dass dieser Mitbewohner sehr schnell wütend wird und das Gefühl hat alles selbst bestimmen zu können, da er am längsten in der Wohnung ist. Wie können wir das Thema am besten ansprechen?

Freundliche Grüsse

Julia

Zur Person
Foto: Eric Lichtenscheidt

WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Liebe Julia!

Um mit dem Schluss Ihres Briefes zu beginnen: Einen Anspruch auf Dominanz aufgrund der längeren Wohnzeit gibt es in einer WG nicht. Zu den oft unverzichtbaren Einrichtungen dort gehört das Gespräch aller Mitglieder am Küchentisch. Erbitten Sie eine Zusammenkunft mit fest vereinbartem Termin. Weisen Sie darauf hin, über einige Dinge sprechen und abstimmen zu wollen, die für Sie als neue Mitbewohnerinnen noch offen und ungeklärt sind. Dann ist die Nutzung der Badezimmer durch Gäste nur ein Punkt der "Tagesordnung".

Das könnte helfen, die Spannung um dieses Anliegen abzufedern. Im Umgang mit Toiletten gibt es Nachlässigkeit, die so gut wie alle stört, und solche, die fast nur Frauen stört. Sollte die Besucherin aus diesem Grund Ihr Badezimmer bevorzugt haben?

Du hast WG-Kummer?
Foto: Silja Götz

Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de . Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Ihre Bitte, Gäste ausschließlich bei den Gastgebern verkehren zu lassen, ist vertretbar und vernünftig. Streitigkeiten darum, ob jemand "dieses gewesen" oder "jenes gemacht" hat, lassen sich so am besten vermeiden. Ziehen die Mitbewohner nicht mit und blockieren diesen Beschluss, schlagen Sie einen Kompromiss vor: Wenn Gäste länger bleiben oder häufiger anwesend sind, werden ihnen Absprachen, Ansprüche und Gepflogenheiten der WG mitgeteilt, soweit sie Gemeinschaftsräume betreffen. Das kann man ohne Weiteres als Selbstverständlichkeit für alle WGs betrachten.

Lassen Sie sich durch die leichte Entflammbarkeit Ihres Mitbewohners nicht davon abhalten, Ihre Anliegen vorzutragen. Erleichtern Sie sich aber solche Situationen in der ersten Zeit ruhig durch Vorgespräche mit den anderen beiden.