Hilfe von der WG-Therapeutin "Niemand kümmert sich um die Katzen"
Philipp* schreibt:
Meine Wohnung war für mich allein zu groß, deswegen habe ich ein Zimmer an eine vermeintlich verantwortungsvolle junge Auszubildende vermietet. Ich bin mit dem Preis sogar noch runtergegangen, weil sie meinte, sie hätte nicht so viel Geld. Sie zahlt jetzt 200 Euro im Monat - all inclusive. Im Endeffekt hat sie wohl deutlich mehr Geld als ich. Nun hat sie ohne Absprache ein Aquarium in ihr Zimmer gestellt. Also habe ich ihr gesagt, dass sie mehr Geld für Strom zahlen soll. Das tut sie aber nicht.
Ich war damit einverstanden, dass sie zwei Katzen mitbringt. An den Näpfen ist jetzt ständig alles eingesaut, meine Mitbewohnerin macht sie vielleicht einmal die Woche sauber. Sie ist auch fast nie zu Hause. Niemand kümmert sich um die Katzen, in einem Zimmer haben sie mir schon die ganze Tapete zerfetzt. Einmal haben sie nur eine Mahlzeit innerhalb von 80 Stunden bekommen. Also bleibt alles an mir hängen.
Außerdem macht meine Mitbewohnerin nichts im Haushalt. In der Küche ist alles dreckig, und ihr Geschirr stapelt sich in der Spüle. In ihrem Zimmer hat sie außerdem das Laminat ruiniert - das ist ganz aufgequollen.
Ich weiß nicht weiter. Wie weit gehen meine Kündigungsrechte? Wie werde ich meine Mitbewohnerin am besten los? Und wie kann ich von ihr einfordern, dass die Schäden repariert werden? Auf Kaution habe ich verzichtet, weil sie als Auszubildende ja nur ein geringes Gehalt erhält. Ich hätte auch schon einen Ersatzuntermieter, von dem ich mehr Miete bekommen würde.
*Name geändert
Sabine Stiehler lindert den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Stiehler ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und leitet die Psychosoziale Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden.
Sabine Stiehler antwortet:
Lieber Philipp,
ich kann Ihnen nur dazu raten, Ihrer Mitbewohnerin zu kündigen. Sie haben sich ihr Verhalten viel zu lange gefallen lassen. Wie konnte es so weit kommen? Inzwischen ist Ihre Tapete beschädigt, das Laminat ruiniert und die Küche dreckig. Das kommt nicht von jetzt auf gleich. Offenbar haben Sie es versäumt, von Anfang an anzusprechen, was Sie stört.
Sie schreiben, Ihre Mitbewohnerin hätte sich ein Aquarium angeschafft, ohne das vorher mit Ihnen zu besprechen. Schon damals hätten Sie ihr sagen sollen, dass sie nun mehr Strom zahlen muss.
Sie haben akzeptiert, dass Ihre Mitbewohnerin zwei Katzen mit in die Wohnung bringen darf. Sie hätten vor dem Einzug auch schriftlich festhalten können, dass sie für die Katzen verantwortlich ist. Leider gehen viele zu naiv damit um, wenn ein fremder Mensch bei ihnen einzieht. Es braucht oft Regeln und schriftliche Vereinbarungen.
Wenn Ihre Mitbewohnerin ihre Katzen vernachlässigt, oft auch nicht zu Hause ist, sollten Sie sich zwar erst einmal um die Tiere kümmern, damit sie nicht verhungern. Aber setzen Sie Ihrer Mitbewohnerin ein Ultimatum: "Bis dahin sind Deine Katzen gut bei mir aufgehoben, aber dann gebe ich sie ins Tierheim." Wenn sie nicht zu Hause ist, schicken Sie ihr eine Nachricht.
Sie haben weniger Miete von Ihrer Mitbewohnerin verlangt, und auf die Kaution verzichtet. Warum haben Sie das gemacht? Ist das nicht falsches Mitgefühl, das Ihnen am Ende schadet?
Damit Sie nun von ihr das Geld für die Reparatur der Schäden bekommen, rate ich Ihnen, sich einen Rechtsbeistand zu holen. Setzen Sie mit diesem ein Schreiben auf, schildern Sie darin, was alles gemacht werden muss und fordern Sie von ihr das Geld. Lassen Sie sich nicht weiter ausnutzen!
Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de . Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.