Amnesie-Patient Piano Man will studieren
Waldmünchen - Der "Piano Man" will studieren. Wenn er wieder gesund sei, wolle er an die Uni gehen, sagte sein Anwalt Christian Baumann am Mittwoch in Waldmünchen. Welchen Beruf der 20-jährige Andreas G. anstrebt, sagte er nicht.
Der Bayer war vor vier Monaten an der englischen Küste aufgefunden worden, nass und mit Mehrtagebart. Da er nicht sprach, wurde in der britischen Presse gerätselt, wer der offensichtlich Amnesie-Kranke sei. Sein angeblich virtuoses Klavierspiel brachte ihm den Namen "Piano-Man" ein. Eine britische Zeitung berichtete am Montag der junge Mann komme aus Deutschland, sei homosexuell und habe sich im Meer umbringen wollen.
Der Anwalt der Familie erklärte, die Eltern hätten mehrere Anläufe unternommen, ihren verschwundenen Sohn zu finden. Bis Ende März habe Kontakt bestanden. Andreas G. sei nach dem Abitur und Zivildienst aus dem Heimatdorf Prosdorf bei Waldmünchen in der Oberpfalz für einen Sprachaufenthalt nach Frankreich gegangen. Dort habe er gejobbt, aber schließlich die Arbeit verloren. Dann sei der 20-Jährige erkrankt und der Kontakt zur Familie abgerissen.
Vermisster Sohn sah auf den Fotos ganz anders aus
Während der psychisch kranke Junge in einer psychatrischen Klinik in England saß, versuchten seine Eltern über den Vermieter in Frankreich und einen befreundeten Polizisten ihren Sohn zu finden. Die französische Polizei sei aber nicht tätig geworden, weil kein Verbrechen vorlag, sagte der Anwalt. Bei der deutschen Polizei hätten die Eltern keine Vermisstenanzeige erstattet.
Die Berichte über den geheimnisvollen Patienten in England habe die Familie nicht verfolgt. Zudem sähe Andreas in Wirklichkeit anders aus als auf den veröffentlichten Fotos. Nachbarn der Familie hatten gesagt, Andreas habe früher eine Brille und längere Haare getragen. Wo sich der 20-Jährige derzeit aufhält, hielten die Anwälte weiter geheim. Die Ärzte hätten Ruhe empfohlen.
Öffentlich will sich die Familie nicht äußern. Baumann dementierte Berichte britischer Zeitungen, wonach der Vater Interviews gegeben habe.