Apropos: Flirt mit Risiko - DER SPIEGEL
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Apropos Flirt mit Risiko

Fast nirgends kann man so gut flirten wie auf dem Campus. Das kann aber auch schiefgehen, wie eine kleine Episode von der Kölner Uni zeigt: ein amouröser Versuch, eine Verabredung, eine peinliche Begegnung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Heiratsmarkt Uni funktioniert nach wie vor bestens. Soziologiestudien belegen es: Studenten flirten auf dem Campus, überall und ungebremst. Zu viel amouröses Engagement im Hörsaal allerdings birgt Risiken.

Dazu folgende Geschichte: Die Kölner Volkswirtschaftsstudentin Nina U., blond, zierlich, blauäugig, Single, langweilte sich ganz außerordentlich in ihrem Seminar für Steuertheorie. Bis zu jenem Tag, als ihr Thorsten M. auffiel: groß, lässig, braune Locken, grüne Augen. Sie warf ihm Blicke zu. Erst wenige, dann mehr. So ging es über Wochen. Manchmal hatte sie das Gefühl, auch er schaue sie an.

Schließlich beschloss sie, mutig zu sein, und notierte seine E-Mail-Adresse von der Anwesenheitsliste, die in jeder Sitzung durch den Raum wanderte. Sie schrieb: "Lust auf einen Kaffee?" Er antwortete: "Du bist mir schon am ersten Tag aufgefallen. Morgen, 14 Uhr, im Café Storch?"

Sie wartete in einem rotgeblümten Sommerkleid an einem Tisch in der hinteren Ecke des Cafés. Die Haare hochgesteckt, die Augen leuchtend. Da, er im Türrahmen, ein großes Strahlen im Gesicht. Seine Augen suchten den Raum ab, blieben an ihr hängen, wanderten weiter, fixierten sie erneut. Das Lächeln gefror ihm, verschwand schnell gänzlich. Entsetzen dann in seinem Blick. Ungelenk setzte er sich an ihren Tisch. "Sorry", sagte er. Pause. "Ich hatte jemand anderen erwartet".

15 Minuten unterhielten sie sich über Konsumgütersteuern, dann hasteten sie in verschiedene Richtungen davon. In das Seminar setzte sie nie wieder einen Fuß. Er auch nicht. Ihren Schein in Steuertheorie bekamen in diesem Semester beide nicht.