Architektur-Studenten: Eier werfen statt Häuser bauen - DER SPIEGEL
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Architektur-Studenten Eier werfen statt Häuser bauen

Die Hochschule Wismar hatte für ihre neuen Architektur-Studenten eine ganz besondere Begrüßung parat: Sie mussten vom Dach des Fachbereichs rohe Eier werfen - und dafür sorgen, dass die nicht zermatscht werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich lernen Wismars Architektur-Studenten, wie sie Baupläne zeichnen, Häuser konstruieren und kühne Pläne für den nächsten Wolkenkratzer schmieden. Doch die Hochschule Wismar ließ ihre neuen Studenten zu Beginn des Semester etwas völlig anderes tun: Sie sollten vom 17 Meter hohen Gebäude des Fachbereichs rohe Eier schmeißen.

Ein neuartiger Initiationsritus, den Matthias Ludwig, Professor für Architektursimulation, für fachlich wertvoll hält. "Eierwurf ist nicht Gebäudebauen", analysiert der Wissenschaftler gegenüber UniSPIEGEL ONLINE, "aber es ist Kreativität im weitesten Sinne gefragt."

Denn die Junior-Häusleplaner mussten mit aufwendigen Konstrukten dafür sorgen, dass die rohen Eier nicht zerschmettert werden. Manche Studenten lösten die Aufgabe, indem sie das Ei in verschiedenen Gitterstäben einfassten, andere bauten einen rotierenden Sombrero-Hut mit Windflügeln. "Eidiver", "Urei" oder "Mission Spiegelei" benannten die jungen Kreativlinge ihre Modelle.

Die Konstrukte schienen gut durchdacht zu sein: 21 von 32 Eiern kamen unzerschlagen auf dem Boden an. "Die anderen sahen schon ziemlich jämmerlich aus", resümiert Ludwig.

Gerade einmal 0,81 Sekunden brauchte der schnellste Eierflieger, um die 17 Meter vom Dach des Gebäudes zum Boden zurückzulegen. Funktionalität obsiegte: "Es haben eher die unspektakulären Lösungen gewonnen", berichtet der Professor.

Doch die Gewinner bekamen nicht etwa ein Eier-Kochbuch geschenkt. Sie dürfen sich nun fachlich wertvoll fortbilden: mit einem Buch über die Entwurfsgrundlagen der Architektur.