Auf nach Istanbul Der Papst und ich
Ich erwache von lautem Dröhnen. Es sind die Rotorflügel der Hubschrauber, die über Wien kreisen. Der Papst wird erwartet. Bundesheer und Bundespolizei bewachen die Stadt wie einen Schwerverbrecher.
Maria und ich fahren mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Wien war einmal die Hauptstadt eines Weltreichs, heute ist sie die Hauptstadt des "Früher war alles besser". Über den Alleen liegt die Sehnsucht nach altem Glanz.
Ich stehe seit einer Stunde im Regen und warte auf den Papst. Ich bin nicht religiös, aber wenn wir beide, der Papst und ich, schon mal in Österreich sind... Benedikt spricht wenige Worte, dann fällt die Technik aus. Die Großbildschirme werden schwarz. Der Papst verstummt.
Wir treffen uns mit Martin Blumenau, dem Gründer von FM4. Wer FM4 hört, weiß, was dem deutschen Radio fehlt. Nicht 150 oder 200 Titel rotieren hier, sondern 10.000. Die Wiener haben Tocotronic gespielt, als sie in Hamburg noch niemand kannte. Ich bin mit FM4 groß geworden.
Martin sagt: "Weißt du, was das Problem von euch Deutschen ist? Ihr definiert Jugend nach dem Alter. Jung zu sein, bedeutet offen zu sein, interessiert, übermütig."
"Ist Wien eine junge Stadt?"
"Bist du deppert? Wien ist die älteste Stadt überhaupt. Wie lange ist es her, dass eine kulturelle Bewegung in Österreich entstanden ist? Eine Ewigkeit!"
Bratislava, ein vom Leben enttäuschter Kurort
Wir fahren weiter nach Bratislava. In Bratislava haben wir den wilden Osten vermutet, wir wussten es nicht besser. Bratislava ist ein Kurort, übellaunig, vom Leben enttäuscht.
Wir suchen junge Slowaken, aber wir finden sie nicht. Wir finden nur Iren. Irland hat am letzten Abend gegen die Slowakei gespielt. Irische Fußballfans belagern die Stadt. Sie trinken und singen. Einer ist als Homer Simpson verkleidet. Er reißt die Maske vom Kopf, torkelt auf McDonalds zu und übergibt sich vor dem Eingang.
Eine junge Dame tippt mir auf die Schulter. Sie heißt Martina und arbeitet für den slowakischen Tourismusverband. "Wie findest du Bratislava?"
"Ähm. Sehr Schön. Sehr sauber."
Martina lächelt. Warum habe ich das gesagt? Ich finde Bratislava nicht schön. Ich fühle mich schäbig.
Maximilian Popp, 21, hat die Henri-Nannen-Journalistenschule besucht und als Redakteur bei SPIEGEL ONLINE gearbeitet. Jetzt zieht er gemeinsam mit seiner Freundin zum Studium nach Istanbul und führt auf SPIEGEL ONLINE sein Reise-Tagebuch.
Am Montag:
Der Start - "Ja, seid's Ihr narrisch?"
Am Mittwoch:
Schlagloch-Test - "Rumänien macht uns Angst"