Auf nach Istanbul Nächste Ausfahrt Bukarest
Wir riechen Bukarest von weitem. Ein brandiger Luftzug weht uns entgegen. In Bukarest zu atmen, das ist, als ob man sich über einen Schornstein beugt und inhaliert. Die Stadt umbraust uns. Alles rollt. Schwere Geländewagen donnern an uns vorbei. Motorräder fädeln sich durch das Chaos. Fußgänger hetzen hinter Bussen her.
Niemand scheint auf nichts Rücksicht zu nehmen. Bettler schlafen eingehüllt in Werbeplakate. Wohnhäuser zerfallen, ihre Türen sind aus den Angeln gerissen, die Fenster mit Brettern vernagelt. Unser erster Gedanke: Bloß weg hier!
Wir bleiben, zumindest für eine Nacht. Auf der Straße treffen wir Alex und Paul. Alex trägt ein Shirt der US-Band NOFX, Paul einen Skater-Pullover von Billabong. Beide arbeiten für Sector 7, eine junge Internetfirma. Sie nehmen uns mit in ihr Büro in der Bukarester Innenstadt. In der Ecke der Altbauwohnung steht ein abgewetztes Sofa. Wir trinken Bier aus dicken, braunen Flaschen.
Internet als Tor zur Welt
"In Bukarest verändert sich alles!", ruft Alex. Noch vor fünf Jahren habe Rumänien keine Subkultur gekannt. "Alles war ein Brei", erzählt Paul. Plötzlich gebe es Punks in Bukarest, Heavy Metal, Skater. "Jeder kann nun seinen eigenen Stil leben. Und warum?" Paul hebt theatralisch die Hände. "Weil uns das Internet den Zugang ermöglicht hat. Es ist unser Tor zur Welt."
Ich blicke zu Maria, sie lächelt. So viel Euphorie haben wir hier nicht erwartet.
Die Straße nach Sofia ist EU-saniert, wir sind guter Dinge. Mühelos gleitet der Bulli durch die Kurven. Der weiße Mittelstreifen auf der Schnellstraße entrollt sich vor uns wie ein Bogen Papier. Bald sind wir in Bulgarien.
"Where from?", fragt der Grenzbeamte. "Germany", sage ich. Der Stiernacken zeigt auf die Delle an unserer linken Tür. "Where from?" "Keine Ahnung, ist schon älter." "Problem! Problem!", ruft nun seine blasse Kollegin.
Sie nimmt unsere Pässe und verschwindet. Zehn Minuten. Fünfzehn Minuten. Sie kommt wieder. "Okay, go!"
Maximilian Popp, 21, hat die Henri-Nannen-Journalistenschule besucht und als Redakteur bei SPIEGEL ONLINE gearbeitet. Jetzt zieht er gemeinsam mit seiner Freundin zum Studium nach Istanbul und schildert auf SPIEGEL ONLINE seine Reise-Eindrücke.
Am Mittwoch:
"Rumänien macht uns Angst"
Am Freitag:
Bulgarien - derbe Partynächte in Sofia