Bachelor willkommen: "Behandelt wie Babys" - DER SPIEGEL
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Bachelor willkommen "Behandelt wie Babys"

Absolventen mit Bachelorabschluss haben in der Wirtschaft bisher einen schweren Stand. Sie gelten als Dünnbrettbohrer und Schmalspur-Akademiker. Das soll sich ändern: Deutsche Großunternehmen geben sich einen Ruck. Sie wollen die Absolventen auf Rosen betten und trommeln jetzt gemeinsam fürs dreijährige Turbo-Studium.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Bachelor als Karrierebeschleuniger? Davon können Absolventen bislang nur träumen. Die Schnellstudenten werden von potenziellen Arbeitgebern häufig eher als "Bäh-chelors" behandelt, als B-Absolventen. Viele Unternehmen, gerade im Mittelstand, vertrauen den erprobten Diplomabschlüssen. Das soll anders werden: Führende deutsche Unternehmen wollen den Personalchefs den geschmähten Abschluss schmackhaft machen. "Bachelor Welcome", haben die Initiatoren ihre Werbeaktion getauft.

Plötzlich sollen den vermeintlich zweitklassigen Bachelorabsolventen "attraktive Einstiegschancen" blühen. Am Montag veröffentlichten 15 Großunternehmen eine Erklärung zusammen mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Darin zeigen sich die Firmen überzeugt, dass mit Bachelor- und Masterstudiengängen eine Qualifizierung erreicht werden könne, "die es den Absolventen ermöglicht, bei entsprechender Leistung und geeignetem Persönlichkeitsprofil verantwortliche Tätigkeiten zu übernehmen".

"Ignoranz" und "Dummheit" in den Personalabteilungen

Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören Konzerne wie die Deutsche Bahn AG, die Bertelsmann AG, BASF, Ruhrgas, BMW, die Deutsche Telekom und die Allianz. Weitere Unternehmen haben nach Angaben von Stifterverbands-Chef Arend Oetker ihre Unterschrift angekündigt.

Er werde in Zukunft aktiv für Bachelor- und Master-Absolventen werden, kündigte etwa Norbert Bensel, Personalvorstand der Deutschen Bahn, an. "Wir werden deutlich machen, dass dieser Ausbildung die Zukunft gehört, und wir werden deutlich machen, dass wir als Unternehmen unseren Beitrag leisten wollen." Thomas Sattelberger, Personalvorstand bei Continental, vermutet als Ursache für die Vorbehalte gegenüber den neuen Abschlüssen "die Ignoranz und Dummheit mancher, die sich nicht damit beschäftigt haben, was sich bildungspolitisch in Europa in den letzten zehn, fünfzehn Jahren getan hat".

Mit der Erklärung formulieren die Unternehmen zugleich ihre Anforderungen an die Inhalte der neuen Studiengänge. Absolventen sollten "das Kernwissen ihrer Disziplin beherrschen und darüber hinaus über wichtige methodische und soziale Schlüsselkompetenzen verfügen", so der Wunsch der Wirtschaft. Oetker forderte "mehr Berufsbezug im Studium durch Praxiselemente und "eine größere Mobilität und Internationalität der Ausbildung".

"Wir nehmen sie gerne, aber später"

In der Bewerbungspraxis stoßen Abgänger mit Bachelorabschluss hingegen häufig auf Vorbehalte. So berichten die ersten Bachelorabsolventen der renommierten International University Bremen (IUB) von Enttäuschungen.

Sie und ihre Kommilitonen seien auf einer internationalen Bewerbermesse "wie Babys" behandelt worden, erzählte Maren Breuer, Inhaberin eines IUB-Zertifikats in International Social Sciences, im Deutschlandfunk. "Die meisten anderen hatten entweder schon ein abgeschlossenes Masterstudium oder schrieben schon an ihrer Doktorarbeit. Teilweise meinten die Firmen, sie würden uns schon nehmen. Aber erst später, wenn wir noch mehr haben: eben Master oder Doktor."

So ist es das Ziel der Erklärung der Unternehmen, die Umstellung von den traditionellen Magister- und Diplomstudiengängen auf das europaweit vereinbarte neue System zu forcieren. Deutschland hat sich zusammen mit 39 anderen europäischen Staaten politisch verpflichtet, bis 2010 einen dreistufigen Studienzyklus einzuführen, mit dem Bachelor als erstem Regelabschluss und dem Master als erstem nachfolgendem Aufbaustudium.

Nach Angaben von Stiftungsratchef Oetker sind aber erst zehn Prozent des gesamten Studienangebotes auf die neuen Abschlüsse umgestellt. Neben den neuen würden parallel noch die alten Studiengänge angeboten, was Studienbewerber verunsichere.