Bio-Boom (Keine) Angst vor Formeln
Trotz aller Diskussionen über ihre Existenzberechtigung erfreut sich die ZVS nach wie vor großer (wenn auch unfreiwilliger) Beliebtheit - zumindest als Adressat von Briefen. Jetzt hat sie endlich ihre Postsäcke ausgeleert, und drin waren ganze 37.049 Anträge - 2064 mehr als für das Sommersemester im letzten Jahr. Alle von jungen Menschen, die eines der bundesweit zulassungsbeschränkten NC-Fächer studieren wollen. Besonders begehrt waren Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaften mit Zuwachsraten von je etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch Spitzenreiter war Biologie mit einer Nachfragesteigerung von über 30 Prozent.
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Das überraschte selbst die ZVS-Angestellten. "Die Bewerbungen für Biologie sind in den letzten Jahren stetig gesunken", berichtete ZVS-Pressesprecher Bernhard Scheel, "man hatte sogar schon überlegt, Biologie deshalb aus dem ZVS-Verfahren herauszunehmen". Daraus wird wohl jetzt erst einmal nichts werden.
Ob ein Zusammenhang zwischen dem momentanen Gentechnikboom und der plötzlichen Liebe zur Biologie besteht, ist bis dato noch nicht eindeutig geklärt. Fest steht aber, dass Biologie nicht nur innerhalb der ZVS-Bewerbungen eine Spitzenreiterposition einnimmt. Auch im Vergleich zu den übrigen naturwissenschaftlichen Studienfächern überrascht die plötzliche Beliebtheit des Fachs.
Denn laut einer jüngst veröffentlichten Statistik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), ist die Zahl der Erstsemester in naturwissenschaftlichen Studiengängen im vergangenen Jahrzehnt stetig gesunken. Einzig Informatik konnte die Statistik noch auf 36 Prozent der Studienanfänger retten. Ohne die künftigen Computerfachleute würde der Anteil der künftigen Naturwissenschaftler unter allen Neueinsteigern nur noch ganze 27 Prozent betragen - 1991 waren es noch 39 Prozent.
Doch auch wenn der plötzliche Bio-Boom die Statistik der Naturwissenschaften etwas aufbessert - den restlichen Fächern hilft das nicht weiter. Damit wird qualifizierter Nachwuchs Mangelware. Im internationalen Vergleich steht Deutschland auch so schon nicht besonders gut da. Mit einem Anteil von 835 so genannter MINTLer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - auf 100.000 Beschäftigte ist Deutschland in Westeuropa Schlusslicht. In Irland und Frankreich liegt der Anteil mehr als doppelt so hoch.