Bologna-Reform: Die Bilanz der Studienreform - DER SPIEGEL
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Bologna-Bilanz Was von der Baustelle übrig blieb

15 Jahre nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung haben sich Studenten an Druck und Vorschriften gewöhnt, doch sie trauen dem Bachelor nicht. Auch Auslandserfahrung und kritisches Denken kommen an Hochschulen seitdem zu kurz.
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Sie wurde kritisiert und gelobt, verwünscht und beworben: Vor 15 Jahren unterzeichneten die Bildungsminister von 29 europäischen Staaten die Bologna-Erklärung. Die Studienreform krempelte das Hochschulwesen komplett um. Das Ziel: Es sollte schneller, strukturierter und internationaler studiert werden.

Unterzeichnet hat die Erklärung die damalige Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD). Zehn Jahre später kritisierte die Politikerin die Umsetzung des Planes: Die Ziele seien nicht erreicht worden, die Qualität der Lehre kaum verbessert. Stattdessen quälten sich Studenten mit rigiden Vorgaben und reagierten mit Protest. Sie besetzten die Hörsäle und wehrten sich so gegen die Einführung des zweistufigen Systems.

Einiges wurde daraufhin angepasst, mittlerweile haben sich Studenten im Bachelor-System eingerichtet. Sie können nun etwas freier entscheiden, welche Module und Kurse sie wählen und kommen mit den inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen besser zurecht.

Doch noch immer gibt es viel zu tun auf den Bologna-Baustellen. An folgenden Punkten hapert es noch:

  • Ursprünglich sollte der Bachelor reichen, um einen Job zu finden. Doch jüngste Umfragen ergaben, dass 61 Prozent der Studenten nach dem Bachelor noch einen Master-Abschluss machen wollen. Denn als akademischer Titel wird der Bachelor nach wie vor kaum ernst genommen. Ein Bachelor in Physik "ist nie im Leben ein Physiker", hat Horst Hippler einmal gesagt, Präsident der Hochschulrektoren und selbst studierter Physiker. 100 Prozent der Bachelor-Studenten der Physik hängen deshalb noch einen Master dran. In der Chemie sind es 90 Prozent. Mit einem Bachelor bekommt auch kein angehender Lehrer oder Jurist einen Referendariatsplatz. Für sie ist ein Bachelor gerade ein besseres Zwischenzeugnis. Doch genug Master-Studienplätze, um das Studium fortzuführen, gibt es nicht. Jeder dritte Student muss die Stadt wechseln, viele davon müssen dann Module nachholen oder stehen nach dem ersten Abschluss vor einer akademischen Zwangspause.

  • Auch ein Auslandssemester wird nach der europaweiten Angleichung der Abschlüsse nicht erleichtert. Eigentlich hatte die Einführung der Bachelor-Studiengänge größere Mobilität ermöglichen sollen, doch nur 17 Prozent aller Studenten zwischen 18 und 29 Jahren haben im Ausland studiert, weitere 27 Prozent planen einen Auslandsaufenthalt während des Studiums. Viele befürchten laut einer Allensbach-Umfrage (hier als PDF ), dass Studienleistungen im Ausland nicht anerkannt werden. Zwar erwerben 86 Prozent aller Studenten im Ausland Credit Points, doch trotz des europäischen Punktesystems ECTS werden diese nur bei 69 Prozent anerkannt. Auch das Bildungsministerium erkennt dort die Notwendigkeit zur Nacharbeit: "Diese Diskrepanz macht weiteren Handlungsbedarf deutlich", lautet die Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage aus der Bundestagsfraktion der Grünen.

  • Forscher zeigten sich jüngst auch besorgt über die Haltung der Generation Bachelor. Es sei "problematisch", dass Selbstständigkeit, kritisches Denken und Verantwortungsbewusstsein seit 2009 immer weniger gefördert würden, so das Ergebnis einer Studie vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Wissenschaftliche Methoden schätzen demnach die meisten Studenten gering, an Forschung seien die wenigsten interessiert. Dagegen erwarten fast alle hohe Praxisbezüge. Tragisch, denn ihre Erwartungen werden dahingehend enttäuscht: Vor allem an Universitäten qualifiziert ein Bachelor-Studium laut der Studie nur "unzureichend" für den Beruf.

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