Bücherschwund Professor Langfinger
Weil er Bücher gegen wertlose Bände vom Flohmarkt ausgetauscht hat, muss ein ehemaliger Germanistikprofessor voraussichtlich seine Villa verkaufen. Der Betrüger hatte über Jahre hinweg Dutzende wertvoller Bücher aus dem Bestand der Universität Bonn zu Geld gemacht. Die Hochschule fordert deshalb in einem Zivilprozess Schadensersatz von dem Professor.
Bisher hatte der Literaturwissenschaftler behauptet, die Werke hätten auch während des Zweiten Weltkriegs zerstört worden sein können. Nun hat er vor dem Bonner Landgericht signalisiert, er sei bereit, sich auf einen Vergleich einzulassen. Bislang hat die Hochschule mehr als 270 000 Euro als Entschädigung für die Werke von Johannes Kepler, Christiaan Huygens oder Erasmus Reinhold verlangt - mittlerweile will sie sich mit 210 000 Euro zufriedengeben.
Der Akademiker hat, so der Vorwurf, einen Großteil der Bücher über ein Auktionshaus im hessischen Königstein versteigern lassen - die Bonner Uni hat keines der Werke je wiedergesehen. Der 53-Jährige wurde bereits im vergangenen Dezember zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Mit dem Verkauf seines Hauses könnte der Literaturwissenschaftler die Hochschule entschädigen. Bis er einen Käufer gefunden hat, soll er monatlich 1500 Euro überweisen.
Der Bestand der Bonner Universitätsbibliothek ist nicht der einzige, der unrechtmäßig dezimiert wurde. Auch in Erlangen soll ein Hausmeister zwischen 1999 und 2004 über 400 Bücher entwendet haben. Misstrauisch waren Mitarbeiter der Bibliothek geworden, als ein Buch über Kräuter, mit einem Wert von 60 000 Euro, plötzlich unauffindbar war. Der Hausmeister habe, heißt es, ein besonderes Interesse für Werke aus der Botanik, Zoologie, Geografie und Naturgeschichte gehabt.