Comic-Battle Das Duell der Zeichner
Aus den Boxen dröhnt HipHop. Und während Dominique die ersten Paarungen auslost, herrscht in der Aula der Hamburger Hochschule für Gestaltung reges Durcheinander. Fast 6000 Flyer haben die Organisatoren verteilt, rund 100 Zuschauer sind der Einladung zum "Comic-Battle World Cup 2004" nach Hamburg gefolgt. Immerhin 32 haben sich zum Zeichen-Wettstreit angemeldet.
Das Reglement ist simpel: Drei Minuten hat jeder Zeit, einen besseren Comic zu zeichnen als sein Gegenüber, selbstverständlich zur gleichen Zeit und auf demselben Blatt Papier. Gemalt wird nach K.O.-System: Wer es nicht schafft, seinen Gegner mit den eigenen Kreationen aus dem Rennen zu werfen, ist raus.
Entsprechend hoch ist die Anspannung, als Maren die ersten Papierbögen verteilt. Die Gespräche ebben ab. Die Kontrahenten, die sich paarweise an acht Tischen gegenüber sitzen, beäugen sich kritisch, schütteln Hände oder spitzen hektisch noch die zahllosen Buntstifte an, die überall auf den Tischplatten verteilt liegen. Die Farben sind streng getrennt, damit es bei der Zuordnung der Zeichnungen später kein Problem gibt. Nach drei Minuten können die Verlierer einpacken.
Comic-Battle: Das Duell der Zeichner
"Wir haben die Zeit bewusst so kurz bemessen", erzählt Mitorganisator Dominique Donoval, 30, vom Comic-Forum Maboul.de . "Es kommt nicht darauf an, dass sich die Leute mit professionellen Zeichnungen bekriegen, entscheidend sind Interaktion und ein freier Fluss der Kreativität", so der Zeichner und gelernte Programmierer.
Wenn er das Startsignal gibt, scharen sich die Zuschauer um die Tische und beginnen kurz nach den ersten Strichen, ihre Favoriten anzufeuern. Sie jauchzen über jedes gelungene Motiv, heulen auf, wenn hier und da eine Stiftmine abbricht. Nur der dumpfe Bass aus den Musikboxen übertönt das Publikum.
Schon in der ersten Runde zeigt sich, wie sehr sich Motive und Talent unterscheiden können. Kindliche Strichmännchen stehen da hilflos vor einem bunten Flammenmeer aus Farben, Schmusetiere müssen sich gegen feuerspeiende Drachen behaupten. Und während einige Zeichner stur an ihrer ursprünglichen Idee festhalten, lassen sich andere von den Motiven ihres Gegenübers inspirieren. Sie zeichnen Bienenschwärme zu bunten Blumenbouquets, reagieren mit Drachen auf geharnischte Ritter mit Morgenstern oder veredeln einen Fischteich im Garten mit einer badenden Meerjungfrau.
Die Ergebnisse der "Kämpfe" fallen recht unterschiedlich aus und sind nicht immer brillant. Während an den Tischen die Stifte über das Papier sausen, gibt Dominique die Zwischenzeiten durch, und schon ist die erste Runde vorbei. Fünf werden es bis zum Finale sein. Eine Jury muss die Sieger bestimmen. "Gott sei Dank sind wir zu dritt und kommen damit immer zu einer Mehrheitsentscheidung", kommentiert Maren lächelnd, während sie mit Dominique und Dragan die Zeichenblätter dreht und wendet.
Eingebung beim Comic-Salon
So geht es Runde um Runde, stets unter heiteren Beifallsbekundungen oder Buh-Rufen des aufgekratzten Publikums. Die Idee zum "Battle", bei Breakdancern, Rappern und Literaten längst gängige Praxis, kam den drei FH-Studenten Dominique Donoval, 30, Maren Amini, 21, und Dragan Prlomelja, 26, als sie im Juni zum Comic-Salon, der wichtigsten deutschen Comic-Messe, fuhren. "Am Anfang haben sich die Leute kaum für unseren Stand interessiert", berichtet Dominique, "erst als wir offensiv auf sie zugingen und sie aufforderten, gegen uns zu zeichnen, wurde der Andrang groß." Schließlich seien gut 60 Meter Papierrolle bemalt gewesen.
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In Hamburg setzt sich am Ende die 26-jährige Studentin Nina Takata gegen die Konkurrenz durch und wird mit einem großen selbstgefertigten Gutschein und einem Champion-Gürtel geehrt. Nina studiert seit vier Jahren freie Kunst an der Hamburger Hochschule und wurde nur zufällig durch eine Freundin auf den Wettbewerb aufmerksam. Nun werden ihre Gewinner-Motive als T-Shirt verewigt.
"Das hat eine Menge Spaß gemacht, man lernt viele nette Leute kennen", erzählt Nina. Ihr Rezept entspricht ganz der Linie der Organisatoren: "Ich habe immer versucht, auf die Zeichnungen meiner Partner zu reagieren." Offenbar mit Erfolg. Fortan darf Nina sich "Comic-Battle-Weltmeister" nennen - und so einen schmucken Titel hat ja nicht jeder.