Denk mal!: OUT OF PADERBORN - DER SPIEGEL
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Denk mal! OUT OF PADERBORN

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der weltpolitische Horizont des Durchschnittsamerikaners endet bekanntlich hinterm nächst gelegenen Baseballfeld. Im besten Fall wissen Amerikaner von Deutschland gar nichts, im schlimmsten halten sie Germany für die Hauptstadt von Minnesota. Als vor etwas mehr als einem Jahr der Euro eingeführt wurde, kommentierte ein New Yorker bei einer Umfrage die neue europäische Währung mit Empörung: "Was denn? Wieso schaffen die denn den Dollar ab?"

Nun könnte uns das amerikanische Selbstbewusstsein herzlich egal sein, wenn es nicht ausgerechnet die USA wären, die fast überall auf der Welt den Ton angeben und die Standards setzen.

So können amerikanische Firmen mit den deutschen Hochschulabschlüssen recht wenig anfangen: Bevor ein US-Boss lange herumrätselt, ob es sich bei Dipl.-Kfm. und Dipl.-Ing. (FH) um ein Qualitätsmerkmal handelt oder um einen Vorort der Hauptstadt von Minnesota, hat er längst einen anderen eingestellt, einen Bachelor oder Master.

Doch inzwischen stellen sich immer mehr deutsche Hochschulen den Herausforderungen der Globalisierung und bieten angloamerikanische Studienabschlüsse an. Paderborn meets Pasadena, Bremen und Berkeley werden vergleichbar, Heidelberg und Harvard konkurrieren.

Gleichzeitig ist aber an deutschen Unis ein völlig gegenläufiger Trend zu beobachten: Vielerorts, vor allem im Osten, legen die Hochschulen wieder Wert auf Tradition. Die Professoren schlüpfen an hohen Festtagen unter ihre Talare, und der Dekan protzt mit der Goldkette wie ein Zuhälter-Darsteller in einer Soap-Opera.

Global denken, lokal völlig anders handeln, nennt man das wohl.

Wahrscheinlich haben die Professoren erkannt, dass die Amerikanisierung der Bildung nicht nur Vorteile bringt: Die US-Abschlüsse sind im Schnitt schneller erreichbar als die deutschen - das bedeutet: In gleicher Zeit muss der Lehrkörper mehr Studenten unterrichten, betreuen und prüfen. Wer bisher als Di-Mi-Do-Professor einigermaßen stressfrei über die Runden kam, sitzt jetzt in der Globalisierungsfalle - und wird künftig womöglich noch den Mo. oder Fr. dranhängen müssen.

ANSBERG KNEIP