Zitat des Tages Mehrwertsteuer rauf für Bildung
DFG-Präsident Kleiner: Warum erhöhen wir nicht die Mehrwertsteuer?
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"Wenn wir das Wort von der Bildungsrepublik ernst nehmen, könnte ich mir auch vorstellen, dazu etwa die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Wir hatten einst den Kohlepfennig als Aufschlag auf den Strompreis. Warum sollten wir heute in der Wissensgesellschaft nicht einen Bildungspfennig einführen, genauer gesagt einen Wissens-Cent?"
Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), über die Finanzierungslücken im Hochschulsystem.
In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" am Montag sagte Kleiner, für eine wirklich gute Grundausstattung der Hochschulen fehlten jährlich rund fünf Milliarden Euro. Die Exzellenzinitiative, mit der Bund und Länder die Forschung fördern, decke nur ein Zehntel dieses Defizits ab.
Den oft geäußerten Vorwurf, dass das Geld aus der Elite-Förderung nicht bei den Studenten ankomme, ließ Kleiner nicht gelten: "Durch die Exzellenzinitiative wurden personelle Ressourcen ausgebaut, die auch der Lehre dienen", sagte er. "Wir wollen keine nicht forschenden Lehrer und keine nicht lehrenden Forscher."
Kleiner findet es nicht problematisch, dass zahlreiche Wissenschaftler für das Förderprogramm voluminöse Anträge verfassen mussten, die viel Zeit gekostet haben. "Für mich war Antragsschreiben immer Kerngeschäft meiner Forschertätigkeit", sagte er. Es helfe dabei, Ideen und Konzepte zu Papier zu bringen und jede Einrichtung könne davon profitieren - "egal ob man am Ende gefördert wird oder nicht".
Pro Studiengebühren, skeptisch bei der allgemeinen Frauenquote
Neben den Steuerzahlern sollten sich auch die Studenten stärker daran beteiligen, die Löcher in der Hochschulfinanzierung zu stopfen. "Im Prinzip wäre es richtig und wichtig, Studienbeiträge zu haben", sagte Kleiner. "Angesichts der guten materiellen Situation nach einer akademischen Ausbildung kann man auch eine moderate Beteiligung der Nutznießer erwarten." Allerdings müsse es dann auch ein gutes Stipendiensystem geben, das sicherstellen, dass sozial Schwache nicht vom Studium abgehalten werden.
Eine feste Frauenquote für akademische Spitzenpositionen, wie der Wissenschaftsrat sie unlängst gefordert hatte, lehnt der DFG-Präsident ab. Er könne sich jedoch "spezifische Zielvorgaben für Frauenanteile" vorstellen, die dann in den jeweiligen Fachbereichen festgesetzt werden müssten, so Kleiner.
"Mit festen Quoten würde man der Sache mehr schaden als nutzen, weil diese an vielen Stellen nicht praktikabel sind." Es brauche in einigen Fächern schlichtweg Zeit, bis Frauen die oft sehr langen Qualifizierungszyklen durchlaufen hätten. Vom 2. bis 4. Juli wählen die Mitglieder der DFG in Dortmund einen Nachfolger für Kleiner, der zum Jahresende turnusmäßig ausscheidet.