Die Kolumne: Kluge Erbsenzähler - DER SPIEGEL
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Die Kolumne Kluge Erbsenzähler

Viele Banken bieten Studienkredite an. Doch die Studenten langen nicht zu, sondern meiden die Angebote - aus Angst vor Verschuldung. Eine weise Entscheidung, meint Jan Friedmann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Angebot klingt verlockend: Studieren Sie erst einmal in Ruhe, gönnen Sie sich ab und zu etwas, das Geld wollen wir erst in ein paar Jahren zurück, wenn Sie im Beruf gut verdienen. So funktionieren Studiendarlehen, die diverse Kreditinstitute angehenden Akademikern in Deutschland anbieten. Tickten die ähnlich wie amerikanische Verbraucher oder Immobilienkäufer, würden sie kräftig zulangen - man lebt ja nur einmal.

Doch so leicht sind deutsche Studenten nicht ins Leihhaus zu kriegen. Nur fünf Prozent haben im vergangenen Jahr einen Studienkredit aufgenommen. Einzelne Bankinstitute mussten ihre Angebote mangels Nachfrage schon wieder einstellen. Bietet ihm jemand Geld auf Pump, wird der Student misstrauisch.

Das macht ihn geradezu zum Vorbild in Zeiten internationaler Finanzturbulenzen: Erbsenzählen statt "easy credit". Dass ein effektiver Zinssatz von acht Prozent auf Dauer richtig weh tut, kann sich der deutsche Jungakademiker im Gegensatz zu anderen Kreditnehmern offenbar ausrechnen. Er hält sein Geld lieber zusammen: Schaffe, schaffe, Abschluss bauen, lieber in der Mensa den Magen verrenkt als der Bank was geschenkt.

Daran verdient die darbende Finanzindustrie zwar nichts, sorry, aber es beweist eine Tugend, zu der Akademiker eigentlich ausgebildet werden: Vernunft.