Die Kolumne: Stimme des Volkes - DER SPIEGEL
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Die Kolumne Stimme des Volkes

Kaum kriecht die Sonne hinter den Wolken hervor und wärmt sonnenhungrige Körper, werden Studentinnen und Studenten fotografiert und erscheinen in der Zeitung. Und schon ist der Ruf fürs Restjahr ruiniert.
Sie sagen: "Eigentlich hätte ich ja gerade Vorlesung."
Sie sagen: "Eigentlich hätte ich ja gerade Vorlesung."

Sie sagen: "Eigentlich hätte ich ja gerade Vorlesung."

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Frühling lässt sein blaues Band - und so weiter, jetzt beginnt sie wieder, die gefährlichste Zeit für die Reputation der deutschen Studenten. Und zwar so: Sobald die Sonne sich daranmacht, die letzten Schneehaufen wegzutauen, schicken die Lokalredaktionen ihre Fotografen los.

Deren Auftrag: Menschen abzulichten, die ganz offensichtlich die zarten Vorboten der kommenden Jahreszeit genießen. Also Eis schlabbernd auf der Parkbank, untergehakt mit Blick auf das lokale Vorzeigegewässer - Alster, Isar, Rhein oder Spree -, am späten Vormittag beim Joggen/Yoga/Hacky-Sack-Spielen.

Und wen trifft der Fotograf an den notorischen Orten? Natürlich: Studentinnen und Studenten. Damit das Foto in der Zeitung nicht so nackt daherkommt wie die Abgebildeten, dürfen die Sonnenanbeter noch einen Satz sagen, "Vox Pop" heißt das im Journalistenjargon, steht für "Vox Populi", Stimme des Volkes. Sie sagen: "Eigentlich hätte ich ja gerade Vorlesung." Oder: "Ein Latte Macchiato bei Luigi auf der Terrasse ist das beste Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit."

Was denkt das restliche Volk, das mit der Zeitung in der Hand am Schreibtisch oder im Bauwagen sitzt und sehnsüchtig aus dem Fenster schaut? Faule Säcke. Und schon ist der Ruf fürs Restjahr ruiniert, da hilft kein Jammern über Prüfungsstress oder stupide Praktika. Deshalb: Vorsicht, Frühling!