Diplom im Geldscheffeln: Wer wird Millionär? - DER SPIEGEL
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Diplom im Geldscheffeln Wer wird Millionär?

Zum Ende des Studiums gibt es zwei Probleme: Worüber schreibe ich die Abschlussarbeit? Und wovon lebe ich danach? Berliner Kunststudenten lösten beide. In ihrer Diplomarbeit dreht sich alles darum, wie sich Geld scheffeln lässt - ein exzentrischer und amüsanter Selbstversuch.
Von Gabriela Seidel-Hollaender
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Frühsommerabend in Berlin, am Kreuzberger Urbanhafen. Bei ein paar kühlen Bieren diskutieren Yvonne Feller, 25, und Florian Flechsig, 28, über das Thema ihrer Diplomarbeit. Doch drängender scheint ihnen schon bald eine andere Frage: Was kommt danach? Was wird mit ihnen geschehen, wenn sie fertig sind mit dem Studium der Visuellen Kommunikation an der Universität der Künste? Unbezahlte Praktika, um sich für den exklusiven Club der Festangestellten zu empfehlen?

Blöde Aussicht. Selbständig werden? Klang schon attraktiver. Bloß verfügten sie nicht über Startkapital.

Wäre es nicht möglich, den Versuch, viel Geld zu verdienen, zum Thema ihrer Diplomarbeit zu machen? Die Professoren ließen sich überzeugen.

Aufhänger der Diplomarbeit war dann der Armutsbericht der Bundesregierung: Die Schere zwischen Arm und Reich, stand da, würde sich bedrohlich öffnen. Die Mittelschicht löse sich auf und verschmelze mit der Unterschicht. "Es ist also nur folgerichtig, dass man ganz schnell reich werden muss", dachten sich Feller und Flechsig. Diese kleine überspitzte Herleitung, vermuten die beiden Kunststudenten, "war vielleicht genau die Portion Satire, die es für solch ein Unterfangen braucht".

Der Traum vom schnellen Geld

Und so traten sie zum Wettkampf an: Wer wird als Erster Millionär? Kriminelle Aktivitäten oder Prostitution waren verboten, alles musste streng dokumentiert werden. Und so ging's los: Pfandflaschen entsorgen, T-Shirts entwerfen (Label: Geldwäsche), Kunstinstallationen aus Pommes frites bei Ebay verkaufen. Florian im Eisbärenkostüm wirbt in der Berliner U-Bahn mit "Knut & You. Take a picture". Yvonne besucht ein Charthit-Seminar und nimmt als "Uschi International" den Song "Keimfrei" auf. Florian handelt mit Aktien. Sie bewerben sich bei Quizshows.

Reich geworden sind die beiden damit nicht. Aber Yvonne Feller und Florian Flechsig haben ihre Erlebnisse in der Diplomarbeit dokumentiert und ihr Studium beendet. Für das jetzt erschienene Buch haben sie den Wettstreit um die erste Million nochmals aufgenommen und sich weitere Projekte einfallen lassen, mit denen sich - vielleicht - Geld verdienen ließe; sie sind zusammengefasst in dem Kapitel "Utopien: Best-of-unrealisierte Geschäftsideen".

Schnell wird klar, dass es in dem Buch nicht um ehrgeizig verfolgte Businesspläne geht. Vielmehr kommt das Werk als Betrachtung über den Traum vom schnellen Geld daher, als dadaistische Soziologiestudie, deren hintergründiger Humor einfach Spaß macht.