Dumm gelaufen: Australischer Wanderer auf Abwegen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Dumm gelaufen Australischer Wanderer auf Abwegen

Für manche ist er ein Held, für andere der dämlichste Irrläufer der Welt: Der australische Student Ben Maloney überlebte fünf Wochen lang in der Wildnis. Jetzt verdient er mit seinem miserablen Orientierungssinn viel Geld.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

37 Tage lang war er in den Wäldern Tasmaniens verschollen, dann traf er auf eine Gruppe von Campern: Abgemagert, aber gesund tauchte Ben Maloney kürzlich zur Überraschung seiner Familie wieder auf. Am 15. März war der 27-Jährige zu einer Wanderung im Nationalpark im Südwesten Australiens aufgebrochen und wurde seitdem vermisst. Seine Eltern Geoff und Margaret hatten die Hoffnung bereits aufgegeben und einen Trauergottesdienst für ihren Sonn abgehalten, nachdem Rettungsmannschaften die Suche Anfang April wegen schlechten Wetters abgebrochen hatten.

Dann aber stolperte der zerlumpte, "etwas abwesende" Wanderer in ein Zeltlager. Die Camper geben ihm Essen und Kleidung, bevor sie ihn zur nächsten Stadt begleiteten. Anschließend erholte Maloney sich im Krankenhaus von den Strapazen. Er hatte zwanzig Kilo abgenommen, sich nur von Pilzen und Regenwasser ernährt und zwanzig Tage lang gar nichts gegessen. "Ich wollte übeleben", sagte er gegenüber Reportern.

Manche bewundern nun sein Durchhaltevermögen zwischen Schnee, Stürmen und extremer Hitze. Andere halten ihn schlicht für den größten Deppen unter der australischen Sonne. Geplant hatte Ben Maloney eine zwölftägige Wanderung, kam dann vom Weg ab und konnte die Rettungstrupps nicht auf sich aufmerksam machen. Mitgenommen hatte der Technik-Student lediglich einen leichten Rucksack und eine Decke - aber weder Kompass und Karten noch Schlafsack oder Streichhölzer.

Kein Lohn für Dummheit, fordern empörte Retter

Zum Verdruss der Rettungstrupps schlägt der ehemalige Soldat, der zu seiner Militärzeit auch Armeekleidung unter Extrembedingungen getestet hatte, nun Kapital aus seinen Irrwegen. Mit einer Fernsehanstalt schloss er einen Exklusivvertrag ab, der nach Expertenschätzung etwa 50.000 Mark bringen dürfte. "Es ist eine fantastische Story, er ist von den Toten wieder auferstanden", so Medienmanager Max Markson.

Die Retter dagegen forderten, Maloney dürfe für seine "Dummheit" nicht auch noch belohnt werden. "Hätte er die einfachsten Regeln beachtet, hätten ihn die Suchtrupps innerhalb weniger Stunden gefunden", kritisierte der Sprecher eines Wanderclubs. Zumindest solle der Irrläufer so anständig sein, die Hälfte seiner Einkünfte aus dem Fernsehdeal an die Rettungsteams abzugeben. Schließlich hätten diese erhebliche Mengen an Zeit und Geld aufgewendet, um nach ihm zu suchen.