Erotik-Surfen an der Uni: "Stud" heißt "geiler Hengst" - DER SPIEGEL
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Erotik-Surfen an der Uni "Stud" heißt "geiler Hengst"

Mit Anti-Kopulations-Piktogrammen kämpft der Asta der Universität Freiburg gegen Erotik-Konsum. Keusche Studentenvertreter wollen an Uni-Rechnern auch Filterprogramme einsetzen. Die haben aber unerwünschte Nebenwirkungen.
Von Oliver Voß
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Wer in diesen Tagen die Räume des Asta an der Universität Freiburg betritt, wird mit expliziten Darstellungen konfrontiert. An allen Computern prangen Schilder, die ein kopulierendes Pärchen in zwei verschiedenen Stellungen zeigen - als durchgestrichenes Piktogramm. Mit den Darstellungen wollen die Studentenvertreter gegen Erotik-Surfer vorgehen. "Es wurde beschlossen, zunächst Schilder aufzuhängen, dass die Betrachtung pornographischer Seiten im u-asta verboten ist und dass der Vorstand sich vorbehält, die Nutzungstranskripte in Zukunft einzusehen", heißt es im letzten Sitzungsprotokoll der u-asta-Gruppe, die auch die Mehrheit im Freiburger Asta stellt.

Mitauslöser für die keusche Kampagne ist der aktuelle Titel des "Playboy": Das Männermagazin widmet sich in seiner April-Ausgabe "nackten Tatsachen aus deutschen Fakultäten" und bildet eine Auswahl an "Elite-Studentinnen" ab. Nach dem Willen des Freiburger Asta sollen die Studenten ihre wohlgeformten Kommilitoninnen aber nicht auf der Playboy-Homepage anschauen dürfen - jedenfalls nicht von Universitätsrechnern aus.

Nicht-akademische Recherchen

Die wackeren Studentenvertreter möchten auch den Zugang zu Sexseiten im Internet erschweren, eventuell durch den Einsatz einer Filtersoftware. "Wir wollen prüfen, was technisch machbar ist, ohne einfach alles zu sperren, was das Wort Sex enthält", sagt Asta-Vorstand Mark Weinrich. Andere Mitglieder des Gremiums sehen das etwas anders. "Man muss auf die Vernunft der Nutzer vertrauen, anstatt zu solch restriktiven Maßnahmen zu greifen", meint Martin Lyssenko. Er findet die Schilder geeigneter als Filter.

Ein großes Pornoproblem sehen die Asta-Vertreter an ihrer Universität allerdings nicht - zumindest nicht in den eigenen Räumen. Vor einiger Zeit wurde ein Student aus den Computerräumen geworfen, weil er sich zu offensichtlich mit nicht-akademischen Recherchen befasste.

Geringer wirtschaftlicher Schaden

Im Rechenzentrum der Freiburger Universität sieht man die Aktion gelassen. Erotik-Hefte gebe es schließlich an jedem Kiosk zu kaufen, sagt der Leiter des Rechenzentrums, Gerhard Schneider. Er setzt auf die Eigenverantwortung der Universitätsmitglieder, auch bei der Nutzung einschlägiger Angebote. "Was soll ich da eine Technologiebremse einbauen", sagt Schneider. Der Rechenzentrums-Leiter hält auch nichts von technischer Überwachung. Der Anteil des Erotik-Surfens am Datenverkehr sei zudem so gering, dass der wirtschaftliche Schaden gegen Null gehe. Disziplinarische Maßnahmen seien ein ausreichender Schutz und die "Nebenwirkungen technischer Filter in keiner Weise vorhersehbar."

Mit den unerwünschten Nebenwirkungen von Sex-Filtern hatten vor einiger Zeit auch Studenten der Universität Hannover zu kämpfen, bei der Kommunikation mit amerikanischen Hochschulen. Die E-Mail-Adressen an der Universität Hannover sind nämlich alle nach demselben Muster aufgebaut: name@stud.uni-hannover.de. Der harmlose Adressen-Teil "stud" stieß aber einigen US-Filterprogrammen übel auf: "Stud" hat in der Hardcore-Szene auch die Bedeutung "geiler Hengst". Ähnliche Probleme haben auch deutsche Filter: "Wenn sie das Wort Sex rausfiltern, kann sich niemand mehr zum Staatsexamen ", sagt Schneider.

Daher werden Filterprogramme an deutschen Universitäten auch nur selten eingesetzt, mit Ausnahme von Anti-Werbe-Filtern bei den E-Mails. An der Technischen Universität Dresden werden ausgefilterte Mails in einem eigenen Verzeichnis gesammelt. Gegen individuellen Sex-Konsum an den 10.000 angeschlossenen Endgeräten sei die Universität aber machtlos, sagt der Sicherheitsbeauftragte Willi Siedbürger. Besonders in den Wohnheimen würden viele Daten heruntergeladen. "Missbrauch ist sehr schwer festzustellen, aber wenn wir jemanden erwischen, gibt es auf die Mütze." In solchen Fällen würden die entsprechenden Rechner ausfindig gemacht und im Extremfall bestimmte Zugänge gesperrt. "Damit haben wir in letzter Zeit relative Ruhe rein bekommen."

Die Freiburger Asta-Vertreter näherten sich dem Thema Erotik auf klassische Weise und kauften sich am Kiosk ein Exemplar des Playboy. "Aus Mitteln des u-asta", sagt Mark Weinrich. "Man muss ja informiert sein."

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