Erstsemester Willkommen im Labyrinth
Sie sind immer eine halbe Stunde zu früh im Vorlesungssaal und laufen mit großen Augen durch die Gänge. Das erste Semester an der Uni ist richtig spannend, aber auch richtig anstrengend: Seminare belegen, Ämter besuchen, Fristen einhalten, das neue akademische Kauderwelsch verstehen - was heißt noch mal "c.t."? Und wo geht's hier zum Futtertrog der Mensa?
Aber die typischen Anfängerfehler lassen sich vermeiden, wenn die Erstsemester sich rechtzeitig informieren. "Studenten denken in der Regel, die Informationen werden ihnen gebracht", sagt Christiane Westhauser, die Leiterin der zentralen Studienberatung der Universität Ulm. Während die Schule vergleichsweise wenig Eigeninitiative fordert, geht es an der Hochschule gar nicht ohne. "Es ist wichtig, sich bereits rechtzeitig vor dem Studium auf der Homepage der Uni und der Fachbereiche zu informieren", so Westhauser.
Hier finden sich meist auch die Links zu den Fachschaften, Initiativen und den Studierendenvertretungen. Sie alle bieten Erstsemesterveranstaltungen an und sind Anlaufstellen für Fragen und Probleme.
Das "Ersti-Angebot" des Asta der Uni Mannheim startet für Erstsemester in der Woche Null, "also eine Woche vor dem eigentlichen Studienstart", erklärt Rike Schweizer vom Asta. Neben den fächerspezifischen Einführungsveranstaltungen gibt es Kneipenbummel und Bowlingabende für die ersten sozialen Kontakte. "Und wer spezielle Fragen hat, kann während unserer Bürozeiten vorbei kommen", sagt Schweizer.
Höhere Semester als Mentoren
Wer sich informiert, findet Angebots-Schmankerl, die fast jede Uni bereit hält. In Mannheim organisiert der Asta ein Mentorenprogramm. "Studierende höherer Fachsemester begleiten die Erstis in den ersten Wochen und sind Ansprechpartner in allen Situationen", erzählt Rike Schweizer. Daraus können auch die ersten Freundschaften entstehen. Und wer in Mannheim Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert, bekommt eine besondere Hilfe: Die Fachschaft BWL zeige jedes Semester den Kultfilm "BWL in Mannheim" - über das Leben eines BWL-Studenten, der sich auf amüsante Art den Tücken der Uni und des Studiums stellt.
Aber selbst wer den Semesterstart verpasst, kann mit Eigeninitiative den Anschluss finden. "Als Nachrückerin kam ich zwei Wochen zu spät und habe die Erstsemesterveranstaltungen verpasst", erinnert sich Jennifer Höck, Psychologiestudentin im dritten Semester an der Uni Hamburg. Zu den Seminaren sei sie einfach ohne Anmeldung gegangen. "Zum Glück konnten ein paar Nebenfächler ihre offiziellen Plätze abgeben." Drei von vier Seminaren hat Jennifer Höck noch bekommen und rät auch in solchen Fällen: "Cool bleiben und im Zweifel Studenten höherer Semester fragen."
Auf eigenen Studentenfüßen zu stehen, das muss finanziert werden. Wenn die Eltern ihnen nicht unter die Arme greifen können, haben Studenten oft Anspruch auf staatliche Förderung in Form von Bafög. Jeder solle sich zu Anfang des Studiums beim Bafög-Amt informieren, bevor man mit eigenen Kalkulationen oder Rechnern aus dem Internet zu falschen Ergebnissen komme, rät das Deutsche Studentenwerk in Berlin - im Zweifel einen Antrag stellen. Auch zu weiteren Finanzierungsmöglichkeiten wie Stipendien oder günstigen Studienkrediten bieten die örtlichen Studentenwerke eine erste Anlaufstelle.
Schwierige Wohnungssuche
In vielen Studentenstädten gehört die Wohnungssuche zur schwierigsten Hürde. Gerade kurz vor Semesteranfang stehen oftmals zehn Mitbewerber je Zimmer in einer Wohngemeinschaft auf der Matte. Wohnungs- und Zimmeranzeigen finden sich in der örtlichen Presse oder als Aushang an der Uni. Die Studentenwerke bieten begrenzte Plätze in den Wohnheimen an.
Die rechtzeitige Informationsbeschaffung vor dem Studium wird den Experten zufolge künftig noch wichtiger. Im Zuge der Umstellung von Diplom auf Bachelor- und Masterabschlüsse können sich "gleichnamige Studiengänge in ihren Inhalten grundlegend unterscheiden", erläutert Christiane Westhauser. Zusätzlich ändern sich die Auswahlverfahren. "Das hat sich bei vielen noch gar nicht herumgesprochen. Die Studenten wissen oft gar nicht, dass neben dem Abi auch noch andere Hürden auf sie zukommen können", so Ralf Alberding, Leiter der Geschäftsstelle des Netzwerks "Wege ins Studium" in Bonn.
Von Miriam Braun, gms