Erzählungen Verlorene Unschuld
Maike Wetzel schreibt kurze Geschichten mit kurzen Sätzen und einfachen Worten. Ihre Hauptfiguren sind keine Helden, sondern eher blässlich wirkende junge Menschen irgendwo in der deutschen Provinz. Sie erleben den Tod eines Freundes bei einem Autounfall, beobachten die Magersucht einer Schwester oder wissen nicht, ob sie sich verliebt haben oder nur Sex wollen. Wetzel, 29 Jahre alt und bereits mit einigen kleineren Literaturpreisen ausgezeichnet, erzählt von den Alltäglichkeiten und Schrecken vor allem in der Zeit des Erwachsenwerdens, wenn man die jugendliche Unschuld verloren, sich aber im großen Leben noch nicht eingerichtet hat. Ihre Texte wirken kühl und distanziert, oft rückwärts gewandt. Und doch berühren einen diese Erzählungen, vielleicht weil sie das eine oder andere verborgene Gefühl wachrufen, vielleicht weil jeder gleiche oder ähnliche, fast vergessene Erinnerungen mit sich herumträgt: an einem dunklen Winterabend in einem Zug zu Ende zu lesen.
Maike Wetzel: "Lange Tage. Erzählungen". S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main; 192 Seiten; 10 Euro.