Falscher Professor Hochstapler ergaunerte Fördergelder
Ein selbst ernannter Professor ist von einem Berliner Amtsgericht Tiergarten zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der gelernte Maschinenschlosser hat als Geschäftsführer einer Forschungsgesellschaft fast eine halbe Million Euro an Fördergeldern kassiert. Das Bundeswirtschaftsministerium zahlte rund 350.000 Euro aus einem Programm für die neuen Länder, ein Privatmann weitere 100.000 Euro. Das Unternehmen des Möchtegern-Akademikers ist inzwischen pleite. Er selbst muss nur eine Geldstrafe von 5400 Euro bezahlen.
Mit einer vorgetäuschten Akademikerlaufbahn und einem Umzug von Schleswig-Holstein nach Rostock gelang es dem 54-Jährigen, Fördertöpfe für Technologieunternehmen in den neuen Ländern anzuzapfen. Der vermeintliche "Professor Dr. Ing." beantragte die Gelder für die Entwicklung eines medizinischen Messgeräts. "Zur Messung von Lungenflüssigkeiten", erklärte der Hochstapler während des Prozesses vor dem Amtsgericht.
"Prof. Dr. Ing. Alwin S."
Aufs Verkaufen verstand sich der Angeklagte gut: Er hatte jahrelang im Vertrieb gearbeitet, zuletzt in einer Firma für Medizintechnik. Dann gab er das Klinkenputzen auf und positionierte sich neu - als vermeintlicher Forscher. Seinem Förderungsantrag beim Bundeswirtschaftsministerium fügte er eine gefälschte Promotionsurkunde bei und unterschrieb mit "Prof. Dr. Ing. Alwin S.".
Für die Projektbeschreibung, die er zusammen mit dem Antrag einreichen musste, heuerte Alwin S. einen Bekannten seiner Frau an - einen Sozialarbeiter. Der fügte Passagen aus einer fremden Diplomarbeit neu zusammen.
Kaum zu glauben: Das Ministerium zahlte. Der Schwindel flog erst auf, als das vermeintliche Technologieunternehmen bankrott machte. Die einzige Einnahmequelle waren nämlich die Fördermittel. Das Geld habe er tatsächlich in die Firma investiert, versicherte Alwin S. dem Richter: "Ich hatte eine Vision und erwartete wirtschaftlichen Erfolg." Er habe sogar einen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt, der aber elektronische Bauteile aus dem Betrieb veruntreute.
Der "Professor" wurde nach dreimonatiger Untersuchungshaft entlassen. Seinen Schuldenberg von einer halben Million Euro wird er wohl bis an sein Lebensende kaum abtragen können. Geprellt sei letztlich der Steuerzahler, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.