Fernsehschnulzen In der Seifenblase
Seifenopern heißen so, weil eine der ersten Endlosschmonzetten dieser Art von Waschmittelherstellern gesponsert wurden. Es ist also ein Treppenwitz, dass der Drehbuchautor Job Duivenkater 70 Jahre später einen Waschmittelhersteller in eine Szene der Erfolgssoap "Die Welt dreht durch" (DWDD) hineinschreiben muss. Eine Minute und zwanzig Sekunden lang sollen zwei Figuren nun über die Vorteile dieses Reinemachpulvers palavern - irgendwie muss man den neuen Geldgeber ja plazieren, auch wenn das Putzgeplänkel mit der Handlung nicht das Geringste zu tun hat.
"Soap Fabrik" von Manon Spierenburg erzählt vom ganz normalen Irrsinn des Seifenoperngeschäfts. Durch die Pappkulissen schlittert der verkappte Romanautor Duivenkater, dessen Leben dem Schnulzenepos, für das er platte Dialoge verfasst, immer ähnlicher wird: Er verliebt sich in die neue Kollegin Eva, die bald seine Chefin wird, worauf Duivenkater sie verlässt. Sein Herz schlägt sowieso für seine beste Freundin Anna, das allerdings heimlich, und die Tatsache, dass Anna vom Vater ihres ungeborenen Kindes wegen eines zehn Jahre jüngeren Models verlassen wird, macht das Ganze nicht unbedingt leichter. Am Ende greift sogar ein Geist in das immer bizarrere Treiben ein - doch bis dahin fließt in der "Soap Fabrik" noch viel Seifenschaum den Abfluss runter.
Die Autorin Manon Spierenburg kennt die Sparte, der sie ihren pointiert geschriebenen Debütroman gewidmet hat, nur zu gut: Ein paar Jahre arbeitete sie selbst für die niederländische Version von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". So absurd und überspitzt ihr bissiger Erstling "Soap Fabrik" bisweilen wirken mag - wahrscheinlich ist er gar keine Prosa. Sondern ein knallharter Branchenreport.
Manon Spierenburg: "Soap Fabrik". Reclam Verlag, Leipzig; 296 Seiten; 16,90 Euro.