Film "Lost in Translation"
Bis zum Horizont erstreckt sich das Lichtermeer der Metropole, und der Boden der Tatsachen scheint unendlich weit weg. In einer Hotelsuite hoch über den Dächern von Tokio verbringen zwei Amerikaner zusammen die Nacht: die junge Charlotte (Scarlett Johansson) und der alternde Filmstar Bob (Bill Murray). Gleichermaßen vom Jetlag geplagt, liegen sie nebeneinander im Bett und versuchen, sich gegenseitig in den Schlaf zu reden. Immer mehr geraten sie in einen Schwebezustand, in dem auch die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe verfließt.
Die Regisseurin Sofia Coppola, 32, tritt mit ihrem zweiten Film "Lost in Translation" nun endgültig aus dem Schatten ihres berühmtem Vaters Francis Ford und erweist sich als die zurzeit größte Romantikerin Hollywoods. Sofia Coppola inszeniert Tokio als eine Stadt, die fast nur aus Licht zu bestehen scheint und deshalb fast immateriell wirkt - da hinterlässt jede Berührung zwangsläufig Wirkung. Immer wieder zeigt der Film Charlotte und Bob, die durch die breiten Fenster auf die flirrende Stadt blicken wie auf eine urbane Fata Morgana: "Lost in Translation" erzählt von einem leidenschaftlichen One-Night-Stand mit einer Stadt.
LARS-OLAV BEIER