Film ohne Mitgefühl "Elephant"
So hartnäckig heftete sich noch kaum ein Film seinen Figuren an die Fersen: In minutenlangen Einstellungen folgt die Kamera gleich zu Beginn den Schülern einer amerikanischen High School über weite Plätze und durch lange Gänge. Worte werden dabei kaum gewechselt. Und doch sind diese Bilder sehr beredt: Die aggressiven Tritte der Stiefel eines Jungen verraten, dass er keine guten Absichten hat. Wie Vektoren lässt Regisseur Gus Van Sant ("Good Will Hunting") seine beiden Protagonisten (gespielt von Alex Frost und Eric Deulen) auf ein Massaker zusteuern, das den Amoklauf von Columbine zum Vorbild hat. Die Kälte, mit der die beiden Jugendlichen morden, strahlt auch der Film selbst aus. Das Verharren an der Oberfläche verhindert jedes Mitgefühl: Wenn Van Sant anfangs schnatternde Teenager in der Mädchentoilette zeigt und sie später im Kugelhagel sterben lässt, erlischt auch der ohnehin schwache Herzschlag des Films. Bei aller äußerer Bewegtheit ist "Elephant" innerlich tot.