Flying-Ei-Spektakel: Triumph für die "Eierschaukel" - DER SPIEGEL
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Flying-Ei-Spektakel Triumph für die "Eierschaukel"

Zwecks Bespaßung ihrer Maschinenbau-Erstsemester bringt die Bochumer Uni gern Eiern das Fliegen bei. Auf einer steilen Sprungschanze sollten diesmal Reifen, Honigflaschen, Kondome die zerbrechliche Fracht schützen - manchmal gab es trotzdem Eiersalat.
Von Boris R. Rosenkranz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eier braten und aufessen? Viel zu langweilig. Fliegen müssten Eier können! Das dachten sich die Maschinenbau-Studenten der Ruhr-Universität Bochum und erfanden vor Jahren einen Wettbewerb mit dem programmatischen Titel "Flying Ei". Das Prinzip klingt simpel: Ein rohes Ei muss eine gewisse Distanz zurücklegen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Um es zu schützen, sind originelle Konstruktionen gewünscht. Die knifflige Aufgabe 2007: Das Ei muss eine zweieinhalb Meter hohe Schanze hinunter, der Schanzentisch befindet sich auf einer Höhe von 80 Zentimetern. Gewonnen hat, wer das Ei am weitesten befördert.

Es einfach so die mächtige Schanze hinunter zu schubsen, hielte natürlich kein Ei aus. Also wurde konstruiert und gebastelt, teilweise Wochen lang, alles für den großen Wettbewerb am Mittwoch.

Die "Wild Boyz" etwa haben sich entschlossen zu verhüten. Die "Safer fly"-Variante sozusagen: In ihrem Gefährt, einer Plastikröhre mit kleinen Rädern, steckt das Ei, umschlossen von aufgeblasenen Kondomen. Und auch an das Reglement haben die drei Studenten gedacht. Es besagt, dass das Ei mindestens zu zwei Dritteln sichtbar sein muss. Igor Rudgartser grinst: "Unseres ist sogar zu 100 Prozent sichtbar. Gäbe es diese Vorgabe nicht, hätten wir nicht zu transparenten Kondomen greifen müssen", so der 21-Jährige, der sich vor dem Start gute Chancen ausrechnet.

Schlappe für das ei nzige Frauenteam

Nebenan allerdings wird gerade der "Eierschaukler" startklar gemacht. Der wird von allen hier als heißer Favorit gehandelt. Der "Eierschaukler" ist ein schwerer Reifen, mit Speichen aus Gummi, und in der Mitte, nun ja: schaukelt halt das Ei in einer Plastiktüte. Zunächst jedenfalls. Während des Wettbewerbs nämlich optimiert die Truppe um Viktor Erbeck ihre Konstruktion und setzt in der Mitte eine mit Honig befüllte Flasche ein, in der das Ei dann seelenruhig schwimmt. "Die Idee kam in der Vorlesung", sagt Viktor. Denn auf keinen Fall sollte es ein Flugmodell sein, auch wenn das dem Titel besser entsprochen hätte. "Die Flieger", sagt der 21-Jährige mit Blick auf die Kontrahenten, "werden wir mit dem 'Eierschaukler' schlagen!"

Als es losgeht, muss zunächst eines der vielen Drachenflugmodelle auf die Rampe. Es ist das einzige unter den insgesamt acht Modellen, das ausschließlich von Frauen gebaut wurde. Die "Ladies at work", vier Erstsemesterinnen, wollen beweisen, dass "wir Frauen auch etwas drauf haben". Allerdings soll Viktor Recht behalten. Der Flieger seiner Kommilitoninnen kommt erst gar nicht über den Schanzentisch hinaus.

Lange Gesichter sah man beim Konstruktionswettbewerb der Maschinenbauer schon häufiger. Jedes Jahr haben sie ein anderes Reglement und tüfteln an neuen Transport-Ideen: 2006 mussten Erstsemester die Eier, passend zur Fußball-WM, punktgenau durch eine Torwand lupfen und setzten Posterrollen, Plastikpullen, Papp-Panzerfäuste ein. In den Vorjahren ging es für die Eier zum Beispiel eine Betontreppe hinab, sie tuckerten mit einer Gondel oder mussten in verwegene Konstruktionen verpackt den Sturz von einem Hausdach überstehen.

Platsch, "war wohl Werkstoffversagen"

Diesmal orientierten die Maschinenbauer sich am Skispringen. Aber alle, die auf Flügel setzten, haben Pech. Bisweilen auch mit den Zuschauern, denn erstmals wird der Wettkampf in einem Uni-Gebäude ausgetragen und nicht draußen auf dem Campus. Ein enges Vergnügen. Einmal bleibt eine breite Konstruktion gar am Kopf eines Journalisten hängen. Heftiger Protest unter den Anwesenden. Das Team darf wiederholen - auch nicht besser. Dann, Spot an, der erste Auftritt des "Eierschauklers". Und was für einer: Der Reifen rollt und rollt und rollt, fast den ganzen Flur vor der Cafeteria entlang. Resultat: Unschlagbare 36,8 Meter. Gleich im ersten Anlauf! Das wird keiner mehr übertrumpfen.

Auch nicht die wissenschaftlichen Mitarbeiter und angehenden Doktoranden vom Lehrstuhl für Werkstofftechnik, die in diesem Jahr erstmals teilnehmen dürfen, allerdings außer Konkurrenz. Sie haben ebenfalls einen Reifen gewählt, kleiner und leichter als der ihrer Gegner, dafür mit einem Kniff: Vor dem Start wird er angedreht. Und bekommt dadurch einen derartigen Drall, dass beim ersten Versuch, platsch, das Ei zerplatzt. "War wohl Werkstoffversagen", kommentiert der Moderator trocken. Gutes Stichwort, denn trocken bleibt eine Kommilitonin eben nicht, als beim dritten Versuch der Werkstoffprüfer das Ei abermals zerschellt. Entgeistert sieht sie an sich herab und fragt, wer denn bitte die Reinigung zahle?

Zur Not sicher die Fachschaft, die in diesem Jahr so viel Sponsorgeld von einem großen deutschen Stahlunternehmen übrig hat, dass sie den Siegern mit der "Eierschaukel" drei schneeweiße iPods überreichen kann. Was aber doch eher die Nebensache ist: "Maschinenbau zu studieren, ist hartes Brot", weiß Jens Steinmill von der Fachschaft. Der Wettbewerb lockere das Studium auf, die Studenten könnten Kreativität beweisen.

Zudem und noch wichtiger: Es lockt lebenslanger Ruhm. Die Namen der Sieger werden nämlich in die "Hall of Fame" aufgenommen und neben dem Fachschaftsraum verewigt. Natürlich nicht irgendwie, sondern standesgemäß: auf einer edlen Kupfertafel.

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