Gaststudenten-Liebling Obama: "Er ist einfach magic" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gaststudenten-Liebling Obama "Er ist einfach magic"

Geht es nach dem Willen amerikanischer Gaststudenten in Deutschland, steht der nächste US-Präsident längst fest: Barack Obama. Es ist seine Rhetorik, die sie am stärksten beeindruckt - vor allem die "Change-Botschaft".
Von Martina Scheffler
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Freitagabend vor der Abstimmung in Pennsylvania in einer Kneipe in Berlin-Mitte: An den Fenstern kleben Obama-Plakate, ein Porträt zeigt den Kandidaten in einem runden Ausschnitt vor rot-blauem Hintergrund, wie eine aufgehende Sonne. Daneben steht weiß auf blau geschrieben: Change.

Bei der Warm-up-Party für die Vorwahl der US-Demokraten treffen sich junge Amerikaner und Europäer - vor allem, um über ihren Helden zu sprechen. YouTube-Videos geben die markantesten Reden Barack Obamas wieder. Die musikalische Untermalung ist die Aufgabe von Terence Kumpf, der an seiner Gitarre zupft.

Terence ist 34 Jahre alt und seit Oktober im Masterstudiengang Amerikanistik an der Freien Universität eingeschrieben, dann will er seinen Doktor machen. "Obama kann Linke und Rechte anziehen", glaubt Terence. Der Wahlkampf kommt ihm bisweilen vor wie eine Hollywood-Show, trotzdem schade der Aufwand nicht: "Wir bekommen einen besseren Eindruck von den Persönlichkeiten und Werten."

"Obama ist echt"

Ähnlich sieht es auch Leah Germer. Die 21-Jährige studiert in ihrer Heimat an derselben Universität wie einst Obama: Columbia in New York. Gerade hat sie per Brief in ihrem Heimatbundesstaat Pennsylvania gewählt. Hier in Berlin unterhält sie sich gern mit den Söhnen ihrer deutschen Gastfamilie über US-Politik. "Ich bin überrascht, was die schon alles wissen. Das finde ich gut."

Hillary Clinton sei zwar eine Frau mit Erfahrung, sagt Musikstudentin Leah, sie sei eine Politikerin, die sich besser in Washington auskenne, aber auch mehr Feinde habe. Und da die USA Veränderung brauchten, sei Obama mit seiner "Change"-Botschaft genau der Richtige, ist sich Leah sicher. Besonders fasziniert ist sie von Obamas Rhetorik, auch wenn er wohl nicht alles umsetzen könne, was er verspricht. "Aber er ist einfach magic."

Etwas anders drückt es der angehende Kulturwissenschaftler Nicholas Baer, 22, aus Obamas Heimatstadt Chicago aus: "Er ist echt." So sei der Senator schon 2002 gegen den Irak-Krieg gewesen, als Hillary Clinton noch dafür stimmte, unter "patriotischem Druck". Nicholas hat Obamas Buch "The Audacity of Hope" gelesen. Die aktuellen Debatten verfolgt er, wie viele Exil-Amerikaner, zumeist über das Internet. Warum der Harvard-Absolvent so viele junge Leute anspricht, ist für den Studenten offensichtlich: "Die haben das Gefühl, sie könnten die Gesellschaft verändern, und Obama gibt ihnen genau dieses Gefühl."

Unheilvolle Parallele zu den deutschen Wahlen?

Barry Lucier aus dem Bundesstaat Maine ist da etwas anderer Meinung - und damit fast schon ein Exot unter den Amerikanern seines Alters. Der 21-jährige Politik- und Deutschstudent ist Republikaner, Vizevorsitzender der Studentenorganisation seiner Partei in Rhode Island und unterstützt John McCain. Dessen Stunde werde auch bei den Studenten noch schlagen, ist Lucier überzeugt: Zwar gebe es etwas mehr Sympathien für Obama als für McCain, viele Studenten seien nun mal eher links, aber ein Großteil auch noch unentschieden.

McCain habe die richtigen Lösungen für die Wirtschaftskrise, das Gesundheitssystem und vor allem den Irak-Krieg. "Obama will ja gleich raus aus dem Irak, McCain will bleiben, und das ist auch besser, weil wir sonst das Land dem Terrorismus überlassen."

Puja Deverakonda, 23, die in Massachusetts Internationale Beziehungen und Germanistik studiert hat, sieht in der Konkurrenz zwischen einem Mann und einer Frau sogar eine Parallele zur deutschen Politik: "Es ist wie 2002, Stoiber gegen Merkel." Der damalige CSU-Chef Edmund Stoiber setzte sich zunächst durch und ergatterte die Kanzlerkandidatur der Union. Dann aber verlor er gegen Gerhard Schröder und machte so den Weg frei für Angela Merkel.

Diese Parallele gefällt Puja nicht. Ihr Herzenswunsch heißt Obama for president.

Zurück zum Hauptartikel

Mehr lesen über

Verwandte Artikel