Härtetest fürs Sportstudium: Lattenknaller! - DER SPIEGEL
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Härtetest fürs Sportstudium Lattenknaller!

Man müsse doch kaum mehr tun, als "sich geschickt fallenzulassen", spottet ein Prüfer. Der Hochsprung ist für manche Bewerber an der Sporthochschule Köln trotzdem eine knifflige Disziplin: Was wird's, Höhenflug oder Bruchlandung?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Männer-Weltrekord liegt bei 2,45 Meter, erzielt bereits 1993 von Javier Sotomayor. Die beste Höhe der Frauen ist noch älter: 2,09 Meter erreichte die Bulgarin Stefka Kostadinowa 1987. Gut, die kubanische "Katze" Sotomayor soll Kokain und Nandrolon im Köfferchen gehabt haben - aber müsste es einem normalwüchsigen und motorisch intakten Sportstudenten nicht möglich sein, eine Höhe gut einen Meter niedriger unfallfrei zu überspringen?

Muss es unbedingt, findet die Deutsche Sporthochschule Köln. 1,40 Meter bei Männern, 1,20 Meter bei Frauen verlangt sie als Sprunghöhe von den Bewerbern. So hoch sind manche Ponys, Parkuhren oder ausgewachsene Pygmäen. "1,40 ist ein geschicktes Sich-Fallenlassen, das hat relativ wenig mit Hochsprung zu tun", gibt ein Prüfer den Kandidaten lakonisch mit auf den Weg.

Stelldichein in der Kölner Leichtathletikhalle: Drei Versuche haben die Bewerber. Mit welcher Technik sie die Latte überwinden, ist den Prüfern im Prinzip schnurz. Es darf der Fosbury-Flop sein, die siebzigerjahremäßige Straddle-Technik oder gar Opas Schersprung. Nur mit beiden Beinen zugleich abzuspringen, das ist strikt untersagt und würde ohnehin kaum zum Erfolg führen.

Fixieren, Trippelschritte, Lattenknaller

Und da sind sie wieder, der Bodybuilder und der freundliche kleine Koreaner. Beide waren beim Kugelstoßen gescheitert ("Das war geworfen!") und dürfen sich nun keinen Patzer mehr erlauben.

Autodidakt Yildirim Ötzinger erscheint auch zum Hochsprung unvorbereitet und hofft, sich die Finessen bei anderen Teilnehmern einprägen zu können. Sein erster Sprung: Anlauf, Trippelschrittchen, dann mäht er gleich umstandslos die Latte weg.

Dem geschulten Blick des Prüfers kann nicht entgehen, dass viele Bewerber seit Jahren keinen Hochsprung mehr praktiziert haben - vielleicht auch noch nie. "Da fragen wir uns schon: Was ist denn das für eine Vorbereitung für eine Prüfung?", sagt ein Hochschullehrer.

"Nein, die Prüfung ist nicht zum Üben da"

Bodybuilder Yildirim läuft zum nächsten Versuch an. Schön sieht das nicht aus, die Luftlage ist furchtbar - aber die Höhe stimmt trotzdem. Geschafft! Der Koreaner indes hadert mit dem Abstand zur Matte, nimmt Anlauf und plumpst übel auf die Latte. Für ihn ist die Prüfung vorbei, da hilft kein Flehen: "Die Prüfung ist nicht zum Üben da. Das müssen Sie vorher machen" - klare Ansage.

Der Kölner Eignungstest ist eine Vielseitigkeitsprüfung mit 20 Disziplinen vom Schwimmen bis zum Geräteturnen. Die Bewerber müssen nichts perfekt, aber alles auf einem Basisniveau können. Mit dem zweiten "Defizit" ist Schluss, da kennt die Sporthochschule kein Pardon.

Rund 2000 Bewerber versuchen es pro Jahr. Wer diesmal scheitert, hat bis 2009 Zeit fürs Training. Dann heißt es: neues Spiel, neues Glück.

In einer Serie dokumentiert SPIEGEL ONLINE das zähe Ringen um einen Studienplatz an der Sporthochschule. Die Filme basieren auf einer SPIEGEL-TV-Reportage von Markus Grün.