HipHop-Protest "In der Rauchpause eines Gemanistikseminars"
Ist der Freiburger Protestsong wacker gereimt oder eher peinlich? Und handelt es sich überhaupt um HipHop? Daniel Haas, der für seine "Abgenickt"-Kolumne bei SPIEGEL ONLINE stets nach dem Besten aus HipHop, Soul und R&B fahndet, sagt es.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
"Das Ganze klingt wie der niedliche Spaß-Rap der achtziger Jahre. Der unbekümmerte Sound der frühen Fanta Vier, dazu ein Text, wie er vermutlich in den Rauchpausen eines Germanistikseminars entsteht.
Sozialkritik klingt im ernstzunehmenden HipHop meist anders: rau, aggressiv, oft sogar verzweifelt. Der Zungenschlag der 'Wage zu denken'-Rapper hingegen ist ironisch, ihre Absicht Satire. Ironie jedoch ist eine Tugend des Pop, dem HipHop ist sie seit Gangsta-Rap und dem Siegeszug der neuen deutschen Härte durch MCs wie Sido, Azad und Kool Savas abhanden gekommen.
Aber 'Wage zu denken' ist ja auch gar kein Rap - sondern einfach nur Sprechgesang. Ein nettes Geplänkel über die Bildungsmisere, zoten-, jugend- und pointenfrei."