HIS-Studie Mehr Arbeiterkinder studieren
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ist erfreut - im Wahlkampf stärkt ihr die Statistik den Rücken. "Die Reformen der rot-grünen Bundesregierung zeigen Erfolg", erklärte die Ministerin in einer Pressemitteilung und kommentierte damit die aktuelle HIS-Studie, die am vergangenen Mittwoch in Berlin präsentiert wurde.
Denn das Zahlenwerk der Hochschul-Informations-System Gesellschaft, die seit den späten sechziger Jahren mit regelmäßigen Untersuchungen und Gutachten die deutsche Hochschullandschaft analysiert, scheint die Politik der Ministerin zu bestätigen. Demnach ist der Anteil der Studenten aus den sogenannten bildungsfernen Schichten gestiegen: Von 13 Prozent im Wintersemester 2000/2001 auf 17 Prozent im Wintersemester 2003/2004.
Dabei ziehen die Fachhochschulen Kinder aus Arbeiterfamilien mehr an als die klassischen Universitäten. Doch noch immer werden die Hörsäle und Seminarräume von Akademikerkindern dominiert. Deren Anteil liegt auch im Wintersemester 2003/2004 bei 52 Prozent. Die Autoren der Studie warnen deshalb vor einer Überinterpretation: Die Zahlen bewiesen nicht direkt, dass sich die Chancen von Arbeiterkindern auf einen Studienplatz wirklich verbessert haben.
Doch Ministerin Bulmahn lässt sich die Erfolgsmeldung nicht entgehen. "Das Studium in Deutschland wird sozial gerechter", folgert sie in der Pressemitteilung und schreibt die Ergebnisse vor allem der BAföG-Politik zu. Die staatliche Studenten-Unterstützung sei das entscheidende Instrument, um vielen jungen Menschen eine Akademikerausbildung zu ermöglichen, erklärt Bulmahn.
Auch die absolute Zahl der Studienanfänger steigt weiterhin. Im Wintersemester 2003/2004 haben erstmals knapp 300.000 Erstimmatrikulierte ihr Studium aufgenommen. Parallel dazu nehme auch die Zahl der Abiturienten und Schulabgänger mit Hochschulreife zu, schreiben die Autoren der Studie. Vor allem die Lehramtsstudiengänge und die Ingenieurswissenschaften waren im Wintersemester 2003/2004 beliebt.
Jedoch trübt der Frauenanteil das positive Bild für die Bildungspolitik der Ministerin. Dieser ist zurückgegangen und lag im Wintersemester 2003/2004 nur bei 47 Prozent. Die Verfasser der Studie wollen jedoch nicht von einer Trendwende sprechen: Der Rückgang sei nur an Fachhochschulen zu verzeichnen und das sei bedingt durch die erheblich gestiegene Zahl männlicher Studienanfänger. An Universitäten sei nach wie vor etwas mehr als die Hälfte der Erstimmatrikulierten weiblich. Sie belegten jedoch vor allem die Seminare in Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Lehramtsstudiengänge, während sie sich in Naturwissenschaften nach wie vor selten einschreiben.
In diesem Zusammenhang warnte Ministerin Bulmahn erneut davor, Gebühren für das Erststudium einzuführen. Allein die Diskussion würde vor allem bei jungen Frauen dazu führen, dass sie sich gegen ein Studium entscheiden, erklärt die Ministerin.